Die Corona-Angst geht um, daher: safety first

In der Welt habt ihr Angst,
aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.
Joh. 16, 33

Alle reden zurzeit vom Corona-Virus (COVID-19 = Coronavirus Oral Virus Infection Disease 2019) und der Pandemie. Es ist Thema Nummer 1. Selbst Verschwörungstheorien werden zur Sprache gebracht. Manche nehmen das Ansteckungsrisiko zu gelassen, andere hingegen reagieren panikartig bis hysterisch. Gelegentlich ist die Begegnungsangst sogar mit Aggressivität gepaart. In ein paar Jahren wird sich wohl kaum noch jemand daran erinnern, weil andere Probleme die Vergangenheit überlagern. Ein Geistlicher meinte, nach dem Ende der Krise werde die Menschheit eine andere sein. Schön wär's - jedoch reine Utopie. In früheren Jahrhunderten sprach man -sprachlich schlichter- von Seuchen. Schon in biblischer Zeit gab es sie (Erwähnung in der Mose-Geschichte beim Auszug aus Ägypten / Exodus, als der Pharao die Israeliten nicht wegziehen lassen wollte. Im Mittelalter wütete die Pest, in deren Folge massenhaft Menschen starben. In jenen Zeiten sahen die Menschen epidemisch auftretende und in vielen Fällen tödlich verlaufende Krankheiten als Strafe Gottes an, und sie baten Gott im Gebet um Gnade.
In unseren Tagen der Oberflächlichkeit ist man da nach dem Motto "Wir schaffen das schon" nüchterner und gelassener, weil es bald einen Impfstoff dafür geben wird. Schon jetzt existieren zwei Virostatika zur Eindämmung der Symptome. Und bei vielen Patienten nimmt die Krankheit einen milden Verlauf. Auch für schwer Erkrankte ist eine Lösung in Sicht. Man will ihnen Blutplasma von genesenen Corona-Patienten transfundieren, das entsprechende Antikörper enthält. Ein Antigen - Schnelltest mittels Zervix- bzw. Uretherabstrich oder Urinprobe existiert auch schon. Was soll man sich da aufregen und auch noch beten? Lieber bedient man sich der zurzeit allgegenwärtigen trivialen Floskel "Bleiben Sie gesund!" Aber bei den Grippe-Viren ist das leider so, dass sie -sozusagen als ihr Trick- häufig mutieren, was dem Immunsystem zu schaffen macht, da es den neuen Erregertyp erst wieder identifizieren muss, weil er eine andere Form angenommen hat und neue Fähigkeiten besitzt. Daher hinken Grippe-Impfungen bezüglich ihres Schutzes immer ein Jahr hinterher. Eine hunderprozentige Sicherheit vor einer Infektion gibt es weder durch Vorsichtsmaßnahmen noch durch Impfungen. Der Autor Erich Kästner brachte es auf den Punkt: "Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich."
Hat doch dieses neue genetisch hochvariable Virus mit einer winzigen Größe zwischen 120 und 160 nm (1 Nanometer = 10 Millionstel Zentimeter) als unsichtbarer Feind des Menschen innerhalb kürzester Zeit die gesamte Welt auf den Kopf gestellt! Seinen Namen hat es übrigens von seiner kranz- bzw. kronenartigen Form.
Im Katholizismus gibt es zwar eine Heilige Corona, deren Reliquien im Aachener Dom aufbewahrt werden. Sie ist allerdings nicht Namensgeberin des Virus, wenngleich sie als Schutzpatronin gegen Seuchen angesehen wird.

Geschlossene Schulen


In Presse, Rundfunk und Fernsehen sowie im Internet wird täglich ausführlich über dieses Thema berichtet, sodass man es fast nicht mehr hören kann. Was vorher eminent wichtig war, wird plötzlich gegenstandslos und nichtig. Kindergärten und Schulen werden geschlossen, Kinderspielplätze abgesperrt, Tafeln für Bedürftige stellen ihren Betrieb ein, Krankenhäuser erlauben Besuche nur noch in Not- und Härtefällen, Großveranstaltungen wie Fußballspiele oder Konzerte werden abgesagt, Ausgangssperren werden verhängt, von Reisen wird dringend abgeraten, Grenzen werden abgeriegelt - alles Vorsichtsmaßnahmen hinsichtlich der Weiterverbreitung der Krankheit. Firmen stellen auf Kurzarbeit um, Arbeitnehmer beklagen den Zwangsurlaub, und der wirtschaftliche Schaden ist noch nicht abzusehen. Der amerikanische Präsident Trump will jedem Amerikaner 1000 Dollar schenken, weil er massive Auswirkungen einer drohenden Rezession durch die Corona-Krise befürchtet. Schon wird diese Forderung auch in anderen Ländern gestellt. Geld regiert die Welt! Die Eindämmung der Krankheit scheint nicht so wichtig wie der Kommerz.
Ja selbst die Kirchen sind geschlossen, obwohl das bei der heutzutage geringen Anzahl von Gottesdienstbesuchern eigentlich nicht notwendig wäre, weil in der Regel mehr Bänke vorhanden sind als Personen und somit wegen einer möglichen Tröpfcheninfektion jeder den empfohlenen Mindestabstand zum anderen von zwei Metern problemlos einhalten könnte. Wenn die Kirchen in einem ersten Schritt für Gottesdienste wieder zugänglich gemacht werden, soll bei der evangelischen Kirche auf gemeinsames Singen von Liedern verzichtet werden, weil das ein hohes Risiko in sich berge.
Trotz all dieser Warnungen und Vorsichtsmaßnahmen haben junge Leute aus Übermut eine Corona-Party mit über 100 Teilnehmern veranstaltet.
Aus Angst, bei einer nachgewiesenen Infektion unter Quarantäne gestellt zu werden und somit die Wohnung nicht verlassen zu dürfen und am Ende zu verhungern, kommt es als Auswirkung des Selbsterhaltungstriebs zu Hamsterkäufen. Bei haltbaren Lebensmitteln sind die Regale in den Supermärkten wie leergefegt, selbst Toilettenpapier wird gehortet und Atemschutzmasken werden gestohlen. Das in psychologischer Hinsicht nicht so wohlklingende Wort "Masken" hat man durch den gefälligeren Begriff "Mund-Nasen-Schutz", noch cooler durch die Abkürzung MNS ersetzt. Betrüger passen ihre Strategie der gegenwärtigen Corona-Misere an und nutzen die Arglosigkeit von Senioren aus. Häusliche Gewalt nimmt zu, und bald werden sich die Leute der Lebensmittel wegen noch schlagen. Apokalyptische Stimmung.
Doch alles im Leben hat seine zwei Seiten, so auch im Fall dieser Pandemie. Während das Gastronomiegewerbe als ein Beispiel starke finanzielle Einbußen verzeichnet, steigt der Umsatz von Desinfektionsmitteln, Schutzmasken, Corona-Teststäbchen zur RT-PCR und Beatmungsgeräten. Die Seifenindustrie kann dem Virus ebenfalls dankbar sein. Der Branchenverband Bitkom wittert, dass durch die Pandemie die Digitalisierung einen Aufschwung nehmen wird. Positiv zu verzeichnen ist die Tatsache, dass durch Schließung von Schulen, Ämtern und verschiedenen Betrieben sowie durch das Drosseln der unersättlichen, momentan ausgebremsten hochvirulenten Reise-Gier mit einhergehendem Reisefieber der C02-Ausstoß zurückging. Auch der Straßenlärm und die sonst übliche Hektik hat sich anfänglich reduziert, und man spürte förmlich eine gewisse Entschleunigung, wenn z.B. kurzarbeitende Väter werktags heimwerkelten oder in aller Ruhe mit ihren Kindern spazieren gingen. Sogar das frühlingshafte Vogelgezwitscher und die läutenden Kirchenglocken waren besser wahrzunehmen. Aber mit dem schönen Frühlingswetter hat die Betriebsamkeit schon wieder merklich zugenommen.

Auf das Lungengewebe zuströmende Corona-Viren

Ein Zufall?

Ausgerechnet unmittelbar nach Fastnacht trat dieses Virus erstmals auf, also zu Beginn der 40-tägigen* Fasten- oder Passionszeit (Leidenszeit), die zugleich eine Zeit der Buße ist; daher violett als liturgische Farbe. Die Passionszeit soll uns an das Leiden Jesu vor seinem Tod erinnern. Zurzeit können wir gleichzeitig an das Leiden der Virus-Erkrankten denken. Ein Zufall? Oder will uns Gott vielleicht gerade in der Passionszeit damit deutlich machen, dass es ihn als höhere Macht noch gibt? Ist das Virus nur eine Laune der Natur, oder steckt nicht doch Gott als Schöpfer dahinter, um uns aus dem Schlaf der vermeintlichen Sicherheit wachzurütteln? Der Mensch hat leider nicht immer alles im Griff, auch wenn viele dieser Ansicht sind. Es geschehen immer wieder unerwartete, nicht vorhersehbare Dinge, die nicht im Voraus absehbar und steuerbar sind.
Fastnacht, Karneval oder Fasching feiern viele mit Begeisterung, obwohl ihnen dabei nicht klar ist, warum sie dies überhaupt tun. Mit Sicherheit "just for fun". Grotesk, aber Realität: Kaum waren die zur Karnevalszeit frei gewählten Fastnachtsmasken abgesetzt, da wurde staatlicherseits eine Maskenpflicht ganz anderer Art vorgeschrieben, sogar unter Androhung von Strafgeld bei Nichtbefolgung.
An unserer Schönborner Kirche ließ man den Gottesdienst am Fastnachtssonntag wegen stattfindender Fastnachtsfeier in der Schönbornhalle ausfallen, weil man annahm, dass ohnehin niemand zum Gottesdienst käme. Aber am darauffolgenden Sonntag war die Kirche mit zwei oder drei Leuten auch nicht überfüllt.
Unsere Vorfahren, vor allem die katholischen Mitchristen, feierten deshalb Fastnacht, weil die Wochen bis zum Osterfest eine bewusst entbehrungsreiche Zeit war, in der man des Todes Jesu Christi und des eigenen Todes gedenken sollte. Noch heute wird beim Aschermittwochsgottesdienst den katholischen Gottesdienstbesuchern ein Aschenkreuz auf die Stirn gemacht. Dabei spricht der Priester die folgenden Worte: "Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst." Aber den Tod klammert man ja lieber aus. An Karfreitag durften bis vor wenigen Jahren keine Tanzveranstaltungen oder Ähnliches stattfinden, was schließlich auf Druck von Atheisten, die sich durch dieses Gesetz "vergewaltigt" fühlten, aufgeweicht und erlaubt wurde. Außerdem erfand man den Car-Freitag für Tuning-Fans. In autozeitung.de war 2019 zu lesen: Der traditionelle Carfreitag steht vor der Tür. Ich dachte immer, der kirchliche Karfreitag hätte Tradition. Nun werden ja im Jahr 2020 diese Events gezwungenermaßen ausfallen müssen. Zwangspause.
Kommen wir noch einmal auf das Virus zurück, das wie Menschen, Tiere und Pflanzen auf Vermehrung angelegt ist: 1. Mose 1, 28: "Seid fruchtbar und mehret euch!" Wissenschaftlich gesehen gehören Viren im Gegensatz zu den Bakterien nicht zu den Lebewesen, weil sie keinen eigenen Stoffwechsel haben. Sie können sich deshalb nur innerhalb einer geeigneten Wirtszelle intrazellulär vermehren. Sie werden jedoch als den Lebewesen nahestehend betrachtet, weil sie die Fähigkeit zur Reduplikation ( = Vervielfältigung der DNA oder RNA als Erbinformationsträger eines Chromosoms) und Evolution besitzen. Alle Viren haben ein genetisches Programm zu ihrer Ausbreitung bzw. Vermehrung. Bis jetzt sind ungefähr 3000 Virenarten bekannt.
Viren sind für den Menschen gefährlich, auch Bakterien wie die multiresistenten Krankenhauskeime (MRSA); es gibt aber auch für das menschliche Leben notwendige Bakterien wie etwa die Darmbakterien. Im Schöpfungsplan Gottes hat eben alles seinen Sinn.

Die Welt als Gefängnis


Man kann es kaum glauben, dass eine so winzig kleine organische Struktur wie ein Virus die gesamte Welt aus den Fugen geraten lassen kann und sie quasi zum Gefängnis macht. Es macht dabei auch keinen Unterschied zwischen Reichen und Armen oder befreundeten oder verfeindeten Staaten und kennt keine Staatsgrenzen. Im Kampf gegen das Virus rückt die Welt sogar ungewollt (temporär begrenzt !) näher zusammen. Man liest sogar von einer Welle der Hilfsbereitschaft insofern, dass Menschen dazu bereit sind, Infizierte, die ihre Wohnung aus Gründen der Quarantäne nicht verlassen dürfen, mit Lebensmitteln zu versorgen, selbst wenn sie diese nur vor die Haustür stellen, eine Situation, die mich an den Umgang mit Leprakranken erinnert. Sie wurden als früher Form der Quarantäne irgendwo ausgesetzt ( synonyme Bezeichnung: Aussatz), und man stellte ihnen die Nahrung an einem vereinbarten Platz ab, von dem sich die Kranken diese abholen konnten, nachdem sich die Gesunden wieder von der Stelle entfernt hatten. Wie man unschwer sieht, wiederholt sich alles in der Geschichte der Menschheit, und daran wird auch die Künstliche Intelligenz (Abkürzung: KI) nichts ändern. Glaubt man den Forschern, die diese Entwicklung promoten, werden in naher Zukunft sogar Ärzte überflüssig, weil nach ihrer Überzeugung bei weltweiter Vernetzung und Zusammenführung gesammelter Daten entsprechend programmierte Roboter selbst komplizierteste Operationen besser durchführen können als jeder noch so gute Universitätsprofessor. Dass die Tendenz zur Robotik zunimmt, beweist ja die Tatsache des inzwischen schon versuchsweise praktizierten autonomen Fahrens von Bussen auf einigen Strecken innerhalb großer Städte. Kürzlich trug eine sehenswerte Fernsehsendung in Anlehnung an das neutestamentliche Buch "Offenbarung des Johannes", das als "Apokalypse" * bekannter ist, den vielsagenden Titel "Robokalypse". In dieser Sendung kamen glühende Befürworter wie auch Kritiker zu Wort. Wenn diese Errungenschaften Realität werden, müssen Ethik-Kommissionen unbedingt klare Grenzen setzen, denn vieles bisher Unvorstellbare wird möglich sein, selbst in der Art der Kriegsführung mit neuen Dimensionen.
* In der Offenbarungsgeschichte ist in einem Schreckensszenario die Rede vom Ende der Welt, der Wiederkunft Christi und einer neuen besseren Welt. Heutige Theologie-Professoren warnen vor Panikmache mit Weltuntergangsstimmung, obwohl doch auch die Klimaveränderung mit ihren Extremen (heftige Stürme mit Starkregen, Hitzeperioden mit ausgesprochenem Regenmangel) besorgniserregend ist. Schließlich würde ja in der Offenbarungsgeschichte alles gut enden, nämlich mit einer neuen Welt, dem himmlischen (neuen) Jerusalem. Aber man darf dabei nicht verschweigen, dass zuvor die alte Welt untergegangen ist, was diese Theologen aus verständlichen Gründen unterschlagen. Vom Weltende und der Wiederkunft Christi ist auch sehr ausführlich in Matthäus 24 berichtet: ... Viele werden vom Glauben abfallen; sie werden einander verraten, sie werden einander hassen. Falsche Propheten werden in großer Zahl auftreten und viele irreführen. ... Denn wie es in den Tagen des Noah war, so wird die Ankunft des Menschensohnes sein. Wie die Menschen in jenen Tagen vor der Flut aßen und tranken, heirateten und sich heiraten ließen, bis zu dem Tag, an dem Noah in die Arche ging, und nichts ahnten, bis die Flut hereinbrach und alle wegraffte, so wird auch die Ankunft des Menschensohnes sein. ... Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt. (Verse 10 und 11, 37 - 39 und 42).
Ein kleiner Exkurs sei erlaubt: Der amerikanische Kommunikationswissenschaftler Neil Postman (1931 - 2003) wurde als "Jeremia der Moderne" bezeichnet, weil er wie der biblische Prophet Jeremia pessimistische Thesen vertrat. Er schrieb unter anderem das Buch "Wir amüsieren uns zu Tode" mit dem Untertitel "Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie" und beklagte, dass ein zunehmender Trend zur Bebilderung zu einer Entleerung der Inhalte von Politik und Kultur führe. Und wie viel mehr Bilder überfluten uns seit seinem Tod im Jahr 2003 in Fernsehen und Internet, bei Facebook / WhatsApp, Twitter und Instagram, den sogenannten "sozialen" Medien. Vor allem wegen der Globalisierung und Internationalisierung geht nichts mehr ohne Piktogramme, denken Sie dabei nur an die Flughäfen, an das Display der Smartphones oder an Ihren Desktop. Was aber dabei völlig verkommt, ist die Sprachkultur, die sich fortwährend -wie ein Virus- unbemerkt automatisch rudimentiert, indem der Wortschatz und die Ausdrucksfähigkeit sowie die Fähigkeit fehlerlos und grammatikalisch richtig zu schreiben, drastisch sinkt. Postman ging mit Huxley konform, der die Kultur zum Varieté verkommen sah. Derzeit werden über WhatsApp und anderswo massenhaft Witze und Videos zum Corona-Virus "geteilt", die zugegebenermaßen auch pfiffig sind und aufheiternd wirken. Aber nur bedingt mit Humor nehmen können es vermutlich die Erkrankten. Bei ihnen ist mehr oder weniger Schluss mit "lustig". Für Postman bestimmen die Medien, was wir kennenlernen und erleben, was wir denken und empfinden. Von ihm wurde übrigens der Begriff "Infotainment" geprägt.
Der Glaubenszeuge Dietrich Bonhoeffer -das muss ich immer wieder betonen- schrieb in seinen in der Haft vor der Hinrichtung gemachten Aufzeichnungen: "Die Zeit, in der man alles den Menschen durch Worte -seien es theologische oder fromme Worte- sagen könnte, ist vorüber; ebenso die Zeit der Innerlichkeit und des Gewissens, und das heißt eben die Zeit der Religion überhaupt. Wir gehen einer völlig religionslosen Zeit entgegen; die Menschen können einfach, so wie sie nun einmal sind, nicht mehr religiös sein." Und wie recht er behalten hat!
Auch Aldous Huxley lässt in seinem Roman "Schöne neue Welt" anklingen, dass in dieser (scheinbar) schönen Welt keine Religion mehr gebraucht werde.

Das Heimbüro (home office)
als Arbeitsplatz


Es braucht nur ein wenig Geschick, um der Bevölkerung die "schöne neue Welt" schmackhaft zu machen. Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten. Vor 20 - 30 Jahren sagten auch noch viele: "Wozu brauchen wir ein Internet?" Heute ist es nicht mehr wegzudenken: In diesen Tagen der Corona-Pandemie mit geschlossenen Schulen werden Eltern und Schülern während der Zeit des Unterrichtsausfalls zu Hause zu erledigende Aufgaben via elektronischem Klassenbuch zugeschickt. Dabei tut sich ein weiteres Problem auf: Sollen diese häuslich erbrachten Leistungen benotet werden oder nicht? Schulbuchverlage bieten Lehrern und Eltern / Schülern kostenloses Übungsmaterial zum Download an. Soweit es möglich ist, werden derzeit alle möglichen Arbeitsprozesse via Home-Office erledigt, und man ist der Meinung, dass dieser Trend auch nach der Krise fortbestehen wird.
Not macht eben erfinderisch. In vergangenen Zeiten lehrte Not auch beten, aber die Zeiten gehören der Vergangenheit an, sind "out".
Konrad Zuse (1910 - 1995), einer der frühen Computerpioniere, hat als Erster das binäre System [nur mit den Ziffern 0 und 1 für "an" und "aus"] statt des Dezimalsystems bei der Funktionsweise des Rechners -wie man früher den Computer in Deutschland bezeichnete- eingesetzt. Diese sogenannten Bits sind bis heute Grundlage der Computertechnik. K. Zuse soll einmal gesagt haben: "Die Gefahr, dass der Computer so wird wie der Mensch, ist nicht so groß wie die Gefahr, dass der Mensch so wird wie der Computer."

Bei der rasant fortschreitenden Technik, insbesondere der Robotechnik und der damit verbundenen Euphorie, muss man allerdings die Befürchtung haben, dass sich der Mensch als kreatives Wesen selbst abschafft und alles den einprogrammierten Algorithmen überlässt. Man denke dabei auch an Goethes Gedicht "Der Zauberlehrling", bei dem der Zauberlehrling am Ende der Situation nicht mehr Herr wird und bittend sagt: "Helft mir, ach, ihr hohen Mächte!" ..."Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los."


Wolfgang Jakupka

Noch ein paar Schlagzeilen

- Der deutsche Forscher Alfred Mayer war der Erste, der 1883 bei der Untersuchung der Tabakmosaik-Krankheit entdeckte, dass es noch kleinere Krankheitsüberträger geben müsse als die Bakterien, hielt aber auch ein Gift für möglich, was der Niederländer Martinus Beijerinck 1897 widerlegte. Er stellte fest, dass der Krankheitserreger sich reproduzieren kann, und zwar ausschließlich in einem Organismus. Ein Gift ist dazu nicht in der Lage. Zudem bemerkte er, dass die neu entdeckte Gruppe von Erregern im Gegensatz zu Bakterien nicht mit Alkohol erfolgreich zu bekämpfen ist. Erst 1935 gelang es dem Amerikaner Wendell M. Stanley, das infektiöse Partikel zu isolieren. Mit der Erfindung des Elektronenmikroskops im Jahr 1940 war es dann den Virologen möglich, weitere Viren zu erfoschen. Stanley erhielt für seine Arbeit 1946 den Nobelpreis für Chemie.

Quarantäne
ist die vorübergehende Isolierung von Personen oder Tieren, die eine ansteckende Krankheit haben [könnten]. Das Wort, "quarantaine" entstammt der französischen Sprache, kommt aber ursprünglich aus dem Lateinischen "quaranta" bzw. "quadraginta" für die Zahl 40 und bedeutet eine Anzahl von vierzig [Tagen]. In früherer Zeit, als die Pest noch als Seuche grassierte, belegte man Schiffe, die seuchenverdächtige Personen an Bord hatten, mit einer vierzigtägigen Hafensperre.

Noch eine Zufälligkeit. Die Zahl 40 spielt in der Heiligen Schrift eine bedeutende Rolle und hat immer etwas mit Veränderung zu tun.

- ALTES TESTAMENT
- Die Flut zu Noahs Zeit dauerte 40 Tage.
- Der Exodus (Auszug aus Ägypten) währte 40 Jahre.
- 40 Tage blieb Mose auf dem Berg Sinai, um die 10 Gebote zu empfangen.

- NEUES TESTAMENT
- Jesus fastete 40 Tage lang, daher auch die 40-tägige Fasten- oder Passionszeit

Wir leben im Jahr 2020. 20 + 20 = 40

Der Beginn der Corona-Chronik wird auf den 25. März 2020 datiert. Die Sperrmaßnahmen wurden bis zum 3. Mai verlängert: 40 Tage

- Was auffallend ist, ist die Tatsache, dass bei den ständigen Talkshows zum Corona-Virus niemals ein kirchlicher Vertreter eingeladen wird. Bestätigung der Bonhoeffer-These!

- Am diesjährigen Karfreitag sowie zum Osterfest bestand ja durch die erzwungenen Einschränkungen genügend Zeit zum Nachdenken über den Sinn der beiden Feiertage - oder vielleicht auch immer noch nicht.


- Das Bayerische Fernsehen (BR) bringt seit vielen Jahren samstags um 15.10 Uhr für fünf Minuten das "Glockenläuten" aus einer bayerischen Kirche mit der Beschreibung des Innenraums der jeweiligen Kirche (noch im 4:3-Format). Findet aber samstags ein Fußballspiel statt, wird es auf 15.55 Uhr verschoben, und fast immer fällt es wegen überzogener Sendezeit bei der Übertragung des Fußballspiels dann aus. Das Glockenläuten dient quasi als ein Puffer, den man jederzeit weglassen kann. Nur letzten Samstag, als wieder mal ein Fußballspiel stattfinden sollte, wurde erstaunlicherweise das Glockenläuten wie üblich gesendet, weil dieses Mal Corona dem König Fußball einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte.

- Da ich nunmehr seit fast 20 Jahren diese Homepage gestalte und schon seit langer Zeit auch wöchentlich Hinweise auf religiöse Sendungen im Fernsehen gebe, ist mir dabei aufgefallen, dass sich die Zahl solcher Angebote fast dem Wert 0 genähert hat. Ausnahme bilde(te)n Sendungen zu Skandalen in der Kirche. Das ZDF bringt noch sonntäglich um 9.30 Uhr einen Gottesdienst. Ein regelmäßiges kirchliches Angebot besteht nur noch bei dem kleinen überkonfessionellen Sender "bibel.tv".

- Umso erstaunter war ich heute (So., 22.3.2020), dass der RBB vormittags einen Sondergottesdienst aus der Berliner Gedächtniskirche mit der Einblendung "Der RBB macht Gottesdienst" brachte, den Vertreter der drei großen Religionen (Christen, Juden, Moslems) gestalteten. In diesen ruhigen und besinnlichen Gottesdienst waren zwei alte Choräle eingebunden: "Lobe den Herren" (EG 316 und GL 392) sowie die letzte Strophe von "Der Mond ist aufgegangen" (EG 482 und GL 93, 7. Strophe). Mit dem Verfasser des Lieds "Lobe den Herren", Joachim Neander, besteht sogar ein Bezug zur momentanen Pandemie: Er starb mit erst 30 Jahren im Jahr 1680 an der Pest.

Schlussgedanke: Viren sind mit bloßem Auge unsichtbar, weshalb sie bei der Übertragung nicht bemerkt werden, aber schon bald danach während der Inkubationszeit ihre Wirkung entfalten. Gott ist auch unsichtbar, weshalb viele nicht an ihn glauben. Könnte es bei ihm nicht genauso sein wie bei den Viren?- Matthias Claudius schreibt in der dritten Strophe seines Lieds "Der Mond ist aufgegangen": Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen und ist doch rund und schön. So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehn.

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LESENSWERTE INTERNE LINKS

Das historische Ringsingen zu Goldberg
Eine schlesische Geschichte aus dem Jahr 1362,
die eine Epidemie in damaliger Zeit zum Inhalt hat


Seid fröhlich in Hoffnung,
geduldig in Trübsal,
haltet an am Gebet!
Römer 12, 12

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