Automatischer Bildwechsel nach jeweils 10 Sekunden


O Haupt voll Blut und Wunden,
voll Schmerz und voller Hohn.

O Haupt, zum Spott gebunden

mit einer Dornenkron.

O Haupt sonst schön gezieret

mit höchster Ehr und Zier,

jetzt aber hoch schimpfieret,

gegrüßet seist du mir.

Ich danke dir von Herzen,
o Jesu, liebster Freund,

für deines Todes Schmerzen,

da du's so gut gemeint.

Ach gib, dass ich mich halte

zu dir und deiner Treu'

und, wenn ich einst erkalte,

in dir mein Ende sei.

Wenn ich einmal soll scheiden,
so scheide nicht von mir.

Wenn ich den Tod soll leiden,

so tritt du dann herfür.

Wenn mir am allerbängsten

wird um das Herze sein,

so reiß mich aus den Ängsten

kraft deiner Angst und Pein.

Erscheine mir zum Schilde
zum Trost in meinem Tod,

und lass mich seh'n dein Bilde

in deiner Kreuzesnot.

Da will ich nach dir blicken,

da will ich glaubensvoll

dich fest an mein Herz drücken.

Wer so stirbt, der stirbt wohl.

Paul Gerhardt (1656)
nach dem lat. Urtext

"Salve caput cruentatum"

des Arnulf von Löwen (vor 1250)

Mel.: Hans Leo Haßler (1601)

Dieses Lied lässt sich nach der gleichen Melodie singen:

Ich bin ein Gast auf Erden
und hab hier keinen Stand;

der Himmel soll mir werden,

da ist mein Vaterland.

Hier reis ich bis zum Grabe;

dort in der ew'gen Ruh

ist Gottes Gnadengabe,

die schließt all Arbeit zu.

Was ist mein ganzes Wesen
von meiner Jugend an

als Müh' und Not gewesen?

Solang ich denken kann,

hab ich so manchen Morgen,

so manche liebe Nacht

mit Kummer und mit Sorgen

des Herzens zugebracht.

Mich hat auf meinen Wegen
manch harter Sturm erschreckt;

Blitz, Donner, Wind und Regen

hat mir manch Angst erweckt;

Verfolgung, Hass und Neiden,

ob ich's gleich nicht verschuld't,

hab ich doch müssen leiden

und tragen mit Geduld.

Mein Heimat ist dort oben,
da aller Engel Schar

den großen Herrscher loben,

der alles ganz und gar

in seinen Händen träget

und für und für erhält,

auch alles hebt und leget,

 wie es ihm wohlgefällt.

 

Paul Gerhardt (1666/67)