Sie hören: Der Mond ist aufgegangen

Zum 200. Todestag von Matthias Claudius


† 21.1.1815

Matthias Claudius wurde am 15. August 1740 als viertes Kind eines Pfarrers im holsteinischen Reinfeld geboren. Er besuchte die Lateinschule in Plön und begann später Theologie und auch Jura zu studieren, wurde jedoch im Gegensatz zu seinen Vorfahren kein Pfarrer, sondern Dichter und Journalist. Wenn er auch der Kirche kritisch gegenüberstand, so war er doch von tiefem Gottvertrauen geprägt. Anfang des Jahres 1771 zog er nach Wandsbe(c)k und wurde hier Redakteur der Tageszeitung "Der Wandsbecker Bothe". 1772 heiratete er und hatte mit seiner Frau zwölf Kinder, von denen eines kurz nach der Geburt starb. 1774 wurde er bei den Freimaurern in Hamburg aufgenommen. Der Aufklärung stand er distanziert gegenüber, ganz im Gegensatz zu seinem Logenbruder G.E. Lessing. Bei seinen Veröffentlichungen verwendete er auch den Pseudonym "Asmus". Eine enge Freundschaft verband ihn mit Johann Gottfried Herder und seiner Familie.
Dass er von tiefem Gottvertrauen geprägt war, beweisen die beiden Kirchenlieder "Der Mond ist aufgegangen" (1779) und "Wir pflügen und wir streuen", die aus seiner Feder stammen. Bekannt sind auch sein Kriegslied und das Winterlied "Der Winter ist ein rechter Mann". Die Melodie zu "Der Mond ist aufgegangen" schrieb im Jahr 1790 Johann Abraham Peter Schulz, der auch "Ihr Kinderlein, kommet" (1794) vertont hat.
Sicher durch den frühen Tod seines Bruders (ähnlich wie bei dem Maler C.D. Friedrich) und seines erstgeborenen Sohnes beschäftigte ihn neben der Natur das Thema Tod. So bringt er auch in der letzten Strophe des Abendlieds seine Empathie mit dem kranken Nachbarn zum Ausdruck. Er soll mit den Worten "Helft mir Gott's Güte preisen" (EG 34) gestorben sein. Nachdem er am 21. Januar 1815 in Hamburg gestorben war, wurde er hinter der Wandsbeker Christuskirche beigesetzt.


Abendlied
EG 482 / GL 93








Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen am Himmel hell und klar.

Der Wald steht schwarz und schweiget und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel wunderbar.


2
Wie ist die Welt so stille und in der Dämmrung Hülle
so traulich und so hold
als eine stille Kammer, wo ihr des Tages Jammer
verschlafen und vergessen sollt.
3
Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen
und ist doch rund und schön.
So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen,
weil unsre Augen sie nicht sehn.
4
Wir stolzen Menschenkinder sind eitel arme Sünder
und wissen gar nicht viel.
Wir spinnen Luftgespinste und suchen viele Künste
und kommen weiter von dem Ziel.
5
Gott, lass uns dein Heil schauen, auf nichts Vergänglichs trauen,
nicht Eitelkeit uns freun;
lass uns einfältig werden und vor dir hier auf Erden
wie Kinder fromm und fröhlich sein.

6
Wollst endlich sonder Grämen aus dieser Welt uns nehmen
durch einen sanften Tod;
und wenn du uns genommen, lass uns in' Himmel kommen,
du, unser Herr und unser Gott.

7
So legt euch denn, ihr Brüder, in Gottes Namen nieder;
kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns Gott mit Strafen und lass uns ruhig schlafen
und unsern kranken Nachbarn auch.

 



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