mors certa - hora incerta
Diese Feststellung stand kürzlich über einer Traueranzeige, der sich noch folgender Satz anschloss: "Heute entschlief nach einem Verkehrsunfall, viel zu früh für uns, unser geliebter Sohn."
Ja, das kann man bestätigen: Der Tod ist sicher - die (Todes-) Stunde unsicher. Und oft kommt er "plötzlich und unerwartet", wie man nicht selten lesen kann .

In solchen Situationen erfährt der Mensch, dass nicht er, sondern Gott der Allmächtige ist. Den Wissenschaftlern ist es gelungen, die Tiefen des Meeres, den Weltraum oder die Gene zu erforschen, aber das Geheimnis des Todes konnten sie bis jetzt nicht lüften. Durch die rekonstruktive Chirurgie lässt sich zwar das Leben des Menschen verlängern, sodass er irgendwann einmal so alt wie der durch die Bibel legendär gewordene Methusalem (Genesis 5, 21) werden wird, aber am Ende ist der Mensch ein Ersatzteil-Lager, das in körperlicher Hinsicht nicht mehr dem jugendlichen Idealbild entspricht.
Thanatologen nehmen sich des Themas Tod zwar immer wieder an, jedoch auch sie können nur Nahtodeserfahrungen reanimierter Menschen darlegen. Was nun wirklich danach ist ("the day after") ist nicht dokumentierbar. Es bleibt ein Geheimis. Der gläubige Mensch vertraut auf Gott, auch wenn er ihn nicht via Skype oder Facetime sieht. Glauben lässt sich daher auch nicht erzwingen, er muss erwachsen. Gott hat dem Menschen die Freiheit gelassen, ob er sich nun dafür oder dagegen entscheidet. Wüssten die Menschen sicher, dass sie nach dem Tod ein Gericht über ihr irdisches Verhalten erwartet, würden natürlich alle versuchen, ihr irdisches Dasein vorbildlich zu gestalten, um posthume Strafen zu vermeiden. (Parallelbeispiel: Wenn bekannt ist, dass eine Radarkontrolle stattfindet, fahren alle Verkehrsteilnehmer langsamer.)

Nichts ist also sicherer als der Tod. So grausam es klingt: Das Leben beginnt mit dem freudigen Ereignis der Geburt und endet immer mit dem leidvollen Tod. Schon mit der Geburt fängt die Lebensuhr an abzulaufen und es kommt darauf an, wie weit sie aufgezogen ist - um das Bild fortzuführen. Für den vom Tod Betroffenen hilft selbst die zu Lebzeiten abgeschlossene "Lebens"versicherung nichts. Weil aber der Mensch um seine Vergänglichkeit weiß, versucht er in der kurzen Lebensspanne möglichst alles auszuschöpfen; denn er möchte auf der ihm sichtbaren Welt nichts verpassen, das Leben in vollen Zügen genießen. Er hastet voll Unruhe durch das Leben, flieht wie ein Schatten und bleibt nicht, um es mit Hiob zu sagen. Er ist wie Gras, das früh blüht und bald welk wird und verdorrt (90. Psalm).

 
 

 

Die zeitliche Begrenztheit schilderte ein Bestattungsunternehmer in einer Fernsehsendung einmal so: "Neulich hatte ich ein Metermaß in der Hand, auf dem die Zahlen bis 100 standen. Ich dachte sogleich an hundert Lebensjahre, die nur selten jemand erreicht. Ich bin 50. Da wurde mir anschaulich klar, dass ich bei einer Lebenserwartung von etwa 70 Jahren die Lebensmitte schon weit überschritten habe und dass gar nicht mehr viel Zeit bleibt."  Midlife Crisis! Torschlusspanik! Schnell noch ein paar Trends hinterherjagen, bevor die Stunde schlägt. Auf der Außenwand einer Trauerhalle sah ich neulich eine Sonnenuhr, in die der folgende Satz integriert ist: "Eine wird deine letzte sein." Dieser Satz erinnerte mich sofort an Ernest Hemingways Roman "Wem die Stunde schlägt". In "For Whom the Bell Tolls" lesen wir: "No man is an island...therefore never send to know for whom the bell tolls. It tolls for thee" (eine Anlehnung Hemingways an den engl. Dichter und Priester John Donne).
In früheren Jahrhunderten waren die Menschen sich des Todes stets bewusst, nicht nur auf dem Friedhof. "Memento mori"1) - "Denke daran, dass du stirbst!" Dieser Satz erinnerte die Menschen daran, dass sie ihr Leben so sinnerfüllt gestalten sollten, wie man es unmittelbar vor seinem Tod wahrscheinlich tun würde, wenn dies noch möglich wäre. Das bedeutete in vergangenen Jahrhunderten allerdings nicht, schnell noch einmal alles voll auszukosten. Nein, es war die entsprechende Lebensführung und die innere Vorbereitung auf das den Christen zugesicherte Leben danach, das wir auch unter der Bezeichnung "ewiges Leben" kennen. Man sprach sogar vom Tod als dem "Freund Hein". Von Johann Sebastian Bach ist überliefert, dass seine "behäbige" Lebensfreude wegen seines festen Glaubens an das Leben bei Gott immer auch von einer Todessehnsucht begleitet war. Das gibt er in Arien wie "Ach, schlage doch bald, sel'ge Stunde" oder "Komm, süßer Tod" seinem Hörer preis. In der heutigen Spaß- und Multimediagesellschaft (Der Werbeslogan 2013 für den "iPod touch" lautet beispielsweise: Entwickelt für maximalisierten Spaß) wird der Tod verharmlost und verdrängt und eine Todessehnsucht kann man sich beim diesseits orientierten Menschen von heute mit dem besten Willen nicht vorstellen, zumindest so lange er gesund und fit ist. Alte, einsame Menschen, deren Freunde vielleicht schon weggestorben sind, sind natürlich schon manchmal lebenssatt. In unseren Tagen wird der Tod allenfalls noch in Filmen und Computerspielen thematisiert, allerdings nicht in religiöser Sicht. Für den Nichtgläubigen, sprich Atheisten, ist der Tod ein unausweichliches Ereignis, das einer Sackgasse gleicht, aus der es kein Zurück gibt. An ihm führt kein Weg vorbei, um einmal eine Redewendung aufzugreifen, die oft strapaziert wird, wenn es um die Darstellung der Wichtigkeit moderner Telekommunikation wie Smartphones (z.B. iPhones) sowie iPads in ständig neuen Versionen mit ihren unzähligen Applikationen, den erstmals von der Firma Apple so genannten Apps geht. Für einen überzeugten, ja radikalen Christen jedoch wie Dietrich Bonhoeffer war der Tod -wie an anderer Stelle erwähnt- erst der Anfang des Lebens. Für den Durchschnittsbürger und auch -christen eine völlig unbegreifliche Haltung.

"Sterben, das tun nur die anderen", denken viele irrtümlicherweise. Stillstand ist Rückschritt, sagt man. Demzufolge scheinen Fortschritt, Erfolg und Karriere das A und O zu sein. Und da bleibt eben keine Zeit für Besinnung und Nachdenklichkeit. In der Offenbarung des Johannes (21,6 und 22, 13) erfahren wir von Jesus selbst, was das A und O des Lebens ist: "Ich bin der Anfang (A = erster Buchstabe im griech. Alphabet) und das Ende (O = letzter Buchstabe), niemand kommt zum Vater denn durch mich."

"Das Leben geht weiter", heißt der etwas billige Trost, den man oft zu hören bekommt, weil den Leuten nichts Besseres einfällt.

Bis etwa zur Mitte des 20. Jahrhunderts gab es Trauer - Rituale (Totenwaschung, Aufbahrung im Haus, Totenwache (heute nur noch gelegentlich bei V.I.P.s üblich), Aussegnung durch den Geistlichen, ehe der Tote aus seinem Haus getragen wurde; Trauerzug durch den ganzen Ort). Die Sterbeglocke läutet zwar auch heute noch zum Gebet für den Verstorbenen, aber sie wird im Lärm des Alltags überhört und wer betet dabei noch? Heute soll möglichst keiner etwas von diesem Thema mitbekommen. Gestorben wird abgeschottet, weil der Tod nicht mehr ins gesellschaftliche Klischee passt. Kinder lässt man -wenn es vermeidbar ist- gar nichts von der Härte des Todes spüren. Sie werden verschont, obwohl auch sie -gewollt oder ungewollt- jederzeit mit eigenem oder fremdem Tod konfrontiert werden können. Und nach dem Tod eines Menschen wollen viele den ganzen "Rummel" schnell hinter sich bringen und wieder zum Alltag zurückkehren um sich abzulenken statt den Verlust aufzuarbeiten und der Verstorbene ist in zahlreichen Fällen -auch wenn er sich zu Lebzeiten für unübertroffen und unersetzlich hielt oder dafür gehalten wurde- schon nach kürzester Zeit vergessen, selbst wenn es bei den Trauerreden hieß: "Wir werden dich nie vergessen." Spätestens beim Kaffeetrinken im Anschluss an die Trauerfeier ergeben sich andere, für die noch Lebenden wichtigere Gesprächsthemen.  Ja bereits auf dem Friedhof ist der Tote in Wirklichkeit schon vergessen. Wenn die Trauerfeier in der Halle beendet ist, dauert es eine Weile, bis die Blumen beiseite geräumt sind und der Gang zum Grab beginnen kann. Eine gute Gelegenheit für jene, die draußen vor der Halle stehen, sich schon mal zu unterhalten und beim Gang zum Grab sieht man bisweilen plaudernde, auch lachende Menschen in der Menge. Der Verstorbene schon vergessen. Der Tod verdrängt. Das Gefühl für die Würde einer solchen Situation weicht zunehmend dem Unterhaltungsbedürfnis. Wie pietätlos!  (> Psalm 103, 15+16: "Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Feld. Wenn der Wind darüber geht, so ist sie nicht mehr da und ihre Stätte kennt sie nicht mehr."

Noch etwas ist zu vermerken: Bis vor wenigen Jahrzehnten trugen Trauernde während eines ganzen Jahres, des Trauerjahres, schwarze Kleidung, um ihr Leid auch äußerlich zum Ausdruck zu bringen und Trost durch Mitmenschen zu erfahren. Diese Sitte gibt es inzwischen nicht mehr. Heute ist eher das Gegenteil der Fall. Bei Traueranzeigen kann man lesen: "Von Beileidsbekundungen am Grab bitten wir höflich Abstand zu nehmen." Oder: "Die Trauerfeier fand im engsten Familienkreis statt." In orientalischen Ländern ist es selbst in unserer Zeit noch üblich Tote zu beklagen (> Klageweiber). An der Klagemauer von Jerusalem treffen sich Trauernde in der Hoffnung, mit ihrem Schmerz nicht allein zu sein. Und Bachs Matthäuspassion beginnt schließlich mit den Worten "Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen!"
Ein biblischer Trost bleibt uns jedoch laut Gottes Zusage: "Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein."

Wenn wir noch einmal an die Überschrift dieser Besinnung zurückdenken, dann fällt uns ein, dass uns Jesus in der Bergpredigt ermahnte: "Darum seid wachsam; denn ihr wisst weder Tag noch Stunde,...!"
 1) Wenn früher in Rom siegreiche Feldherren einzogen, stand hinter ihnen ein Diener, der ihnen mitten im Jubel und Taumel des Triumphs zuflüstern musste: "Memento mori". Es war eine Mahnung, die verhindern sollte, dass man sich für Gott hielt.

EG 528 / GL 827
(nicht im Stammteil des neuen GL; Bistum Limburg z.B. jetzt GL 827)

Beim Klick auf das Foto (PC) oder auf "Ach wie flüchtig" (iphone)
sehen Sie ein Video zu dem Choral.

J.S. Bach hat hierzu die gleichnamige Kantate (BWV 26) geschrieben.

Vergleiche auch Friedrich Schillers Lied von der Glocke !

Dieses Lied, das das menschliche Leben sehr anschaulich und drastisch in bildhaften Vergleichen zeigt, ist vom Inhalt her alles andere als erbaulich, entspricht aber der Realität. Beide, der Textdichter Michael Frank (1609 -1667) sowie der bekannte Melodienschreiber Johann Crüger (1598 - 1662), erlebten den Dreißigjährigen Krieg, der sie geprägt und sich in ihren Liedern niedergeschlagen hat. Ganz anders als in unserer gegenwärtigen Welt, hatten sie den Tod ständig vor Augen und mussten sich zwangsläufig damit auseinandersetzen. Es ist allzu verständlich, dass der Mensch in unseren Wohlstandsländern, in denen Wellness, Spaß und Unterhaltung einen hohen Stellenwert haben, zu diesem Thema keinen Bezug findet. Der Mensch kann und soll angesichts der boomenden Hyperkommunikation, die Internet und Smartphones möglich machen, einfach nicht mehr zum Nachdenken kommen. Die Macht der geheimen Verführer, die durch geschicktes, mit aggressiver Werbung verbundenem Marketing zu großem Vermögen kommen, ist zu groß. Es wird pausenlos gesurft, gesimst, getwittert, gefacet und geskypet und die Zahl der angebotenen (großenteils überflüssigen, sich mit völlig belanglosen, an den Haaren herbeigezogenen Dingen beschäftigenden) Apps, auf die sich nun auch die Schulbuchverlage stürzen, nachdem infolge der durch das "business interest" bedingten Innovationsfreudigkeit die CD-ROM-Welle etwas abebbt, steigt von Tag zu Tag. Apps z.B. für das Fach Mathematik werden schon für die ersten Grundschuljahre angeboten. So kann ein in diesem Fach schwacher Erstklässler im Urlaub am Strand auf amüsante Weise mit dem Smartphone oder Tablet-Computer 7 + 2 = ? üben, was sogar noch mit den zehn Fingern und ohne Akku klappen würde, wobei man bei solchen Lern-Apps noch zugutehalten muss, dass sie wenigstens von Inhalt und Absicht her sinnvoll sind. Auch die Kirche folgt dem Trend. In der Ev. Sonntags-Zeitung vom 27. Oktober 2013 steht unter der Schlagzeile "Im Gottesdienst der Zukunft spielt Technik eine wichtige Rolle" zu lesen, dass in naher Zukunft vor Gottesdienstbeginn überreichte Tablet-Computer das gemeinsame Feiern interessanter machen sollen. Virtueller geht es wirklich nicht. Wozu überhaupt noch einen bezahlten Pfarrer auf die Kanzel schicken, wenn jeder auf seinen Bildschirm starrt? Im Grunde genommen kann man alle Kirchen schließen und sie zu Museen oder Urnenkirchen umfunktionieren. Einen Zuwachs an Gottesdienstbesuchern bringt auch neue Technik nicht. Der Mensch wird quasi "denaturiert": Der Blick für die Natur und das Natürlich-Instinktive gehen zunehmend verloren. Viele Menschen, Gott sei Dank nicht alle, geraten in ein gefährliches Abhängigkeitsverhältnis zu den modernen Kommunikationsmedien. Mittlerweile kehren jedoch immer mehr Nutzer der "sozialen Netzwerke" diesen durch negative Erfahrungen bewusst den Rücken. Cyberspace und "chronische Appsitis bzw. Applikationitis" sind eben nicht das wirkliche Leben mit seinen Sonnen-, aber auch Schattenseiten wie etwa dem Alter oder dem Tod.

Auch die unheimliche Menge von Fernsehsendern mit seichtem Programm und ständigen Wiederholungen ist so überflüssig wie ein Kropf. Was bei ihnen den breitesten Raum einnimmt, sind Kriminalfilme jeglicher Art, während die Zahl "positiver" kirchlicher Sendungen rapide abgenommen hat und fast bei Null angekommen ist. (Kirche ist nur noch interessant, wenn es um Skandale geht.) Hierbei spielt der Tod durch Mord zwar eine große Rolle, aber das trägt mehr zur Abstumpfung über dieses Thema als zu Reflexion und Empathie im realen, mitmenschlichen Leben bei.

Ach wie flüchtig, ach wie nichtig ist der Menschen Leben!
Wie ein Nebel bald entstehet 
und auch wieder bald vergehet, so ist unser Leben, sehet!



Ach wie nichtig, ach wie flüchtig, sind der Menschen Tage!
Wie ein Strom beginnt zu rinnen 
und mit Laufen nicht hält innen, so fährt unsre Zeit von hinnen.

 

Licht (Freude)
Dunkel (Depression, Trauer)

Geburt eines gesunden Kindes als Hoffnungsträger

Hochzeit ("hohe Zeit"), Eheglück

Hochbegabung

Prüfung bestanden (Führerschein, Abitur, Staatsexamen, Promotion)

gelungene Erfindung/Entdeckung

beruflicher Aufstieg

Freispruch

hohe Einschaltquote

Geld gewonnen (z.B. im Lotto)

Börsengang, Aktiengewinn

körperlich-geistige Fitness

attraktives Aussehen

Geselligkeit, hohes Ansehen

eine Wohnung haben

intake Landschaft mit gesunder Flora und Fauna

im Frieden leben können

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Freude ist allerdings ein relativer Begriff. In der Dritten Welt sind die Menschen sogar froh, wenn sie

etwas zu essen haben

über eine gute medizinische Versorgung verfügen

Totgeburt, behindertes oder auf die schiefe Bahn geratenes Kind

Ehebruch / Trennung (Scheidung)

Minderbegabung

nicht bestandene Prüfung, aberkannter Doktor-Titel

ergebnislose Forschung

arbeitslos geworden

Schuldspruch

Quotentief

Geld verloren (Wette, Spielbank)

Fehlspekulation, Fehlinvestition

Demenz, Unfall, Krankheit, Tod

hässliches / entstelltes Äußeres

Einsamkeit, Isolation/Ausgrenzung

obdachlos sein

Naturkatastrophen (Hochwasser, Erdbeben usw.)

sich im Kriegszustand befinden

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Verzweiflung bedeutet in den unterentwickelten Ländern existenzielle Not wie etwa

Hunger leiden

eine unzureichende medizinische Versorgung haben

Ach wie flüchtig, ach wie nichtig, ist der Menschen Freude!
Wie sich wechseln Stund und Zeiten, 
Licht und Dunkel, Fried und Streiten, so sind unsre Fröhlichkeiten.

Ach wie nichtig, ach wie flüchtig, ist der Menschen Schönheit
Wie ein Blümlein bald vergehet, 
wenn ein raues Lüftlein wehet, so ist unsre Schönheit, sehet!

Ach wie flüchtig, ach wie nichtig, ist der Menschen Glücke!
Wie sich eine Kugel drehet, 
die bald da, bald dorten stehet, so ist unser Glücke, sehet!

 
Foto vom Hochwasser in Passau / Jochenstein 2013: © www.hans-gell.de

Ach wie nichtig, ach wie flüchtig, sind der Menschen Schätze!
Es kann Glut und Flut entstehen, 
dadurch, eh wir uns versehen, alles muss zu Trümmern gehen.

 

 

Ach wie flüchtig, ach wie nichtig, ist der Menschen Prangen!
Der in Purpur hoch vermessen 
ist als wie ein Gott gesessen,* dessen wird im Tod vergessen.

Wenn ein neuer Papst zur Krönung in den Petersdom einzieht, ruft man ihm zu:
"Pater sancte, sic transit gloria mundi!"
(Heiliger Vater, wie schnell vergeht der Ruhm der Welt!)
Damit wird auf die Vergänglichkeit aller irdischen Güter und Ehren hingewiesen. Diese Mahnung gilt nicht nur für den Papst, sondern für alle Menschen weltweit. Wer diese Tatsache erkennt, wird sein Leben in Bescheidenheit und Demut führen.

Ach wie nichtig, ach wie flüchtig sind der Menschen Sachen!
Alles, alles, was wir sehen, 
das muss fallen und vergehen.

Die letzte Strophe bringt die Sache auf den Punkt:
Wer Gott fürcht', wird ewig stehen.

P.S.: Der veraltete Ausdruck Gott "fürchten" bedeutet in unserer heutigen Sprache "an Gott glauben".

 

* Das Lied wurde 1652 von Michael Franck geschrieben. In dieser Zeit gab es reiche und einflussreiche Könige, die in Purpur gekleidet waren. In unserer Zeit sind nicht nur die wenigen Königshäuser wohlhabend, sondern auch Spitzenpolitiker, Wirtschaftsbosse, Profi-Sportler, Popsänger, Hollywood-Stars und im informationstechnologischen Sektor Software-Entwickler, Gründer von Suchmaschinen und der sogenannten sozialen Netzwerke. Schnell kann sich aber bei jedem die Glückskugel vom Aufstieg zum Abstieg drehen. Dieser kann durch verschiedene Faktoren menschlichen Fehlverhaltens ausgelöst werden, allerdings auch durch eine schwere Krankheit oder einen Unfall. Wenn sich dann die Medien durch ein entlarvtes Fehlverhalten erst einmal gnadenlos darauf stürzen und mit einer Medienkampagne "vox populi", die Stimme des Volkes beeinflussen, gibt es für diese Menschen keine Rettung mehr (Vergl. hierzu auch H. Bölls Erzählung "Die verlorene Ehre der Katharina Blum"!). In früheren Zeiten wurden sie nur lokal an den Pranger gestellt, heute jedoch weltweit. In diesem Zusammenhang sei an folgende Worte Jesu erinnert:

- Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst den Balken in deinem Auge nicht wahr? (Matth. 7,3)

- Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie. (Joh.8,7)

Paulus weiß sein Leben und seinen Tod in Gottes Händen, wenn er sagt:

Leben wir, so leben wir dem Herrn, 
sterben wir, so sterben wir dem Herrn.
Darum: Ob wir leben oder sterben, wir gehören dem Herrn.

Internet-Seite der EKD zum Thema 
"Sterben als Teil des Lebens"
Hospizbewegung in Deutschland