Credo
in unum Deum...

et in unum Dominum Jesum Christum

 

"Wir vertrauen auf Gott", kann man schon seit vielen Jahrzehnten auf dem Dollar-Schein lesen.
Vertrauen wir noch auf Gott?

Die wenigen Gottesdienstbesucher sind fast alle jenseits der 50, die meisten davon im Rentenalter. Früher musste man sich rechtfertigen, wenn man einmal nicht zur Kirche ging, heute ist es umgekehrt. Wer sich zum Glauben bekennt, läuft Gefahr als realitätsfremd und naiv angesehen zu werden. Albert Schweitzer äußerte sich da ganz anders: "Jede tiefe Religiosität wird denkend, jedes wahrhaft tiefe Denken wird religiös." Denken und Religion sind danach nicht unvereinbar.

Die Kirche will nicht anachronistisch sein. Schon seit einiger Zeit richtet leider auch sie sich nach dem Zeitgeist. Wie etwa im schulischen Bereich (PISA) werden Studien in Auftrag gegeben. Eine Studie zu erfolgreicher Konfirmandenarbeit hat ergeben, dass es vorteilhaft wäre, die Jugendlichen mehr einzubinden, was doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Welch große Studien-Erkenntnis! Es fragt sich aber nur, auf welche Art und Weise man sie einbindet und fasziniert. Die Kirche vollzieht derzeit das, was profane Marketing-Experten ihr empfehlen. Und dazu gehören heute "Events" jeglicher Art, um es modern auszudrücken. In Oberhausen hat man 2002 ein Kirchenschiff in einen Skate-Park verwandelt und der Jugendpfarrer hielt seine Predigt unter dem Motto "halfpipe to heaven" von einer Mini-Rampe statt von der Kanzel. Man illuminiert die Innenräume von Kirchen und begeistert die Besucher durch Lichteffekte. Man töpfert, sorgt für leibliches Wohl, spielt kurze Theaterstücke ("Anspiele") oder bietet sonstige Performances, preist orgelfreie Gottesdienste (ohne die altmodischen Choräle) an und dergleichen mehr. Es ist heute gerade in Pfarrerskreisen üblich, die Konfirmanden -analog den Azubis- als Konfis zu bezeichnen. Seit einiger Zeit gibt es "Konfi-Cups". Gerade las ich in der Kirchenzeitung von einem "Konfi-Castle". Schon diese sprachliche Komponente, diese Abkürzung ist "trendy". Aber wird sie der Wortbedeutung gerecht? Bei der katholischen Kirche wurde kürzlich als Pendant ein Arbeitskreis für Ministrantenarbeit mit "Mini-AK" bezeichnet. In die "normalen" Gottesdienste, wo Bibeltexte auf herkömmliche Art im Mittelpunkt stehen, strömen aber die Menschen trotz all dieser (vergeblichen) Bemühungen noch lange nicht in großen Scharen. Denn die Veranstaltungen werden mehr oder weniger als eines der vielen Freizeitangebote angesehen. Mögen Events scheinbar für Kirche interessiert machen, eine dauerhafte Bindung an diese bringen sie nicht. Kirchliche Beatschuppen und Beatgottesdienste der 60-er und 70-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts oder in späterer Zeit kirchlicherseits eingerichtete Internetcafés vermochten dies auch nicht. Die Teilnahme junger Menschen an kirchlicher Jugendarbeit ist nicht zwingend als Religiosität zu werten. Um ernst genommen zu werden, muss sich die Kirche von Oberflächlichkeiten fernhalten und darf nicht irgendwelchen Trends nachlaufen. Sie hat schließlich eine tiefgründige Botschaft zu vermitteln und sollte nicht zu sehr den Erlebnishunger stillen. Neben der Verkündigung des Evangeliums sollte vornehmlich die Seelsorge im wahrsten Sinne des Wortes stehen.

P.S.:

Schon die im Jahr 2002 durchgeführte Shell-Jugendstudie hat beim Thema "Glauben" ergeben, dass im Bezug auf Werte die Familie die Rolle der Kirche übernommen hat und der Glaube auf der Werteskala einen Platz ganz weit unten hat. Bei den sich zum Islam bekennenden Jugendlichen ist die Glaubensbindung wesentlich stärker.

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Präses Manfred Kock am Reformationstag 2002 in Wittenberg, wo er alle Christen zur Zusammenarbeit gegen die zunehmende Verweltlichung der Gesellschaft aufrief:
"Wir haben heute eine gemeinsame Front gegen diejenigen,
die gar nichts glauben oder nur an sich selber."

 

Epheser 1, 16 - 17

Paulus schreibt: Ich gedenke euer in meinem Gebet, dass der Gott unseres Herrn Jesus Christus euch gebe den Geist der Weisheit und der Offenbarung, ihn zu erkennen.