Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein,
die Engel.
Sie gehen leise, sie müssen nicht schrei'n,
oft sind sie alt und hässlich und klein,
die Engel.
 

Sie haben kein Schwert, kein weißes Gewand,
die Engel.
Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand
oder er wohnt neben dir, Wand an Wand,
der Engel.
 

Dem Hungernden hat er das Brot gebracht,
der Engel.
Dem Kranken hat er das Bett gemacht,
er hört, wenn du ihn rufst in der Nacht,
der Engel.
 

Er steht im Weg und sagt: Nein,
der Engel,
groß wie ein Pfahl und hart wie ein Stein -
es müssen nicht Männer mit Flügeln sein,
die Engel.

Rudolf Otto Wiemer
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An Weihnachten feiern die Christen die Geburt ihres Herrn. Untrennbar ist seit etwa 200 Jahren zumindest in Deutschland mit dem Heiligen Abend der Brauch verbunden, einen Christbaum aufzustellen und ihn mit Kerzen, Sternen und Kugeln zu schmücken. Der Baum, bei den Germanen ein Sinnbild für Leben und Wachstum, erinnert auch an die biblische Erzählung vom Baum des Lebens und der Erkenntnis des Guten und Bösen in der Mitte des Paradieses. Adam und Eva haben von diesem Baum gegessen und damit den Zugang zum Paradies verloren. Der Christbaum, der gelegentlich auch mit Äpfeln verziert wird, steht dafür, dass dieses Paradies nicht für immer verschlossen bleibt: "Heut schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis; der Cherub steht nicht mehr dafür. Gott sei Lob, Ehr und Preis!", heißt es in der sechsten Strophe des Weihnachtslieds "Lobt Gott, ihr Christen alle gleich". Wenn die Kerzen des Christbaums leuchten, ist es Zeit für das Lesen der Weihnachtsgeschichte und das Singen von Liedern zur Weihnacht. Die Geschenke, die dann ausgetauscht werden, sind ein Abbild dessen, dass Gott selbst sich schenkt und den Menschen nahe kommt.