Sie hören den Anfang der Buxtehude-Kantate "Alles, was iht tut"/BuxWV 4
Carus - CD 83.134 mit dem Motettenchor Stuttgart unter der Leitung von Günter Graulich

Zwei großen Kirchenmusikern zum 300. Todestag

Auf dieser Seite sollen zwei weniger bekannte Komponisten der Barockzeit, die aber große Kirchenmusiker waren, gewürdigt werden, der eine nachträglich, der andere aus aktuellem Anlass. 2006 war Johann Pachelbels 300. Todesjahr und das stand etwas im Schatten des Mozartjahres. 2007 ist Dietrich Buxtehudes 300. Todesjahr. Während es sich bei dem ersten um einen süddeutschen Orgelmeister handelte, ist der zweite im Norden tätig gewesen.
 
Sebalduskirche in Nürnberg

 

Johann Pachelbel,

von dem heute noch Nachkommen in Franken leben, wurde am 1. September 1653 in der Nürnberger Lorenzkirche getauft. Der Geburtstag ist unbekannt. Schon früh fiel seine musikalische Begabung auf und er erhielt Musikunterricht bei Kantor Heinrich Schwemmer und Organist Georg Caspar Wecker, die beide an St. Sebald in Nürnberg tätig waren. Er besuchte das Gymnasium Poeticum in Regensburg. 1673 zog er nach Wien und wurde Hilfsorganist am dortigen Stephansdom. Den katholischen Herrscher störte es nicht , dass er einen evangelischen Organisten in seinen Diensten hatte. 1677 wurde er Hoforganist in Eisenach, wo er mit Joh. Seb. Bachs Vater, Ambrosius, freundschaftlich verbunden und Pate seiner Tochter Johanna Juditha war. 1678 ging er als Organist an die Predigerkirche in Erfurt. Hier gab er J.S. Bachs älterem Bruder Johann Christoph Orgelunterricht. 1690 zog er nach Stuttgart, war dann noch einmal in Gotha und ab 1695 wieder in seiner Heimatstadt Nürnberg, wo er die begehrte Stelle an der Sebalduskirche bekommen hatte. Am 3. März 1706 starb er im Alter von 52 Jahren in Nürnberg und wurde auf dem Rochusfriedhof beigesetzt.
Von 1719 bis 1764 (†) war sein 1686 in Erfurt geborener Sohn Wilhelm Hieronymus P. Organist an St. Sebald. Der 1690 in Stuttgart zur Welt gekommene Sohn Carl Theodorus (Charles Theodor), ebenfalls Kirchenmusiker, war nach Amerika ausgewandert und starb im gleichen Jahr wie J.S. Bach (1750).-

Weltweit bekannt geworden ist Johann Pachelbel durch seinen "Canon" in D-DUR für Streichorchester, der bei Feierlichkeiten in Londons Westminster Abbey ebenso gern aufgegriffen wird wie von Rockgruppen wie seinerzeit den Backstreet Boys oder dem Rapper Coolio. Ansonsten schrieb Pachelbel hauptsächlich Orgelmusik und Kantaten. Weil es kein Bild von ihm gibt, hier seine Unterschrift:


 
 
 

 


 

Dietrich Buxtehude ?


 Frühere Meinung

Heutige Meinung:
Der Gambenspieler ist Buxtehude.

Zwei Bildausschnitte aus dem Gemälde
"Häusliche Musikszene" von Johannes Voorhout (1674)

Diet(e)rich Buxtehude

Buxtehudes Vorfahren stammten -wie der Nachname schon ahnen lässt- ursprünglich aus Buxtehude bei Hamburg. Dietrich Buxtehude selbst wurde um 1637 vermutlich in Oldesloe bei Lübeck geboren. Seine Kindheit verlebte er im damals dänischen Helsingborg und aller Wahrscheinlichkeit nach ist der Vater Johann(es) sein alleiniger Musiklehrer gewesen.
Zunächst war Dietrich Organist in Helsingborg und Helsingör, ab 1668 bis zu seinem Tod wirkte er an der Marienkirche von Lübeck. Beliebt waren seine so genannten "Abendmusiken" (geistliche Konzerte), die schon sein Vorgänger an St. Marien, Franz Tunder, eingeführt hatte -jedoch ohne den Namen zu gebrauchen- und die schließlich jedes Jahr an den fünf Sonntagen vor Weihnachten am späten Nachmittag stattfanden.

Ende des Jahres 1705 legte J.S. Bach von Arnstadt aus etwa 300 km zu Fuß zurück, um D. Buxtehude in Lübeck zu besuchen und von ihm zu lernen. 1703 war bereits G.F. Händel mit dem gleichen Ziel bei ihm gewesen.

Nebenbei erwähnenswert ist eine menschliche Begebenheit: An St. Marien zu Lübeck war es üblich, dass der Nachfolge-Organist die Tochter des Vorgängers heiraten musste, um die Stelle zu bekommen. Leider gelang es D.  Buxtehude nicht, Händel oder Bach für seine Tochter zu begeistern. Beide waren ohne Eheschließung wieder abgereist. Er selbst hatte als Nachfolger von Franz Tunder dessen Tochter Anna Margareta geheiratet.

D. Buxtehude schrieb vor allem Orgelwerke (Präludien, Toccaten und Fugen und Stücke mit anderen Titeln sowie Choralvorspiele) und unzählige Kantaten. Sein einziges erhaltenes Oratorium, das heute den Titel "Das Jüngste Gericht" trägt, beginnt mit den Worten "Wacht! Wacht! Wacht! Euch zum Streit gefasset macht."

Er starb am 9. Mai 1707 in Lübeck und wurde eine Woche nach seinem Tod in der Marienkirche beigesetzt. Nachfolger wurde sein Schüler und später Schwiegersohn Johann Christian Schieferdecker.

Während es von J. Pachelbel gar kein Bild gibt, existiert von D. Buxtehude ein einziges, wo er auf einem Gemälde zusammen mit dem Hamburger Organisten Johann Adam Reincken zu sehen ist.



P.S.: Johann Pachelbel widmete übrigens im Jahr 1699 Dietrich Buxtehude seine Aria-Variationen "Hexachordum Apollinis" für "organo pneumatico" bzw. "clavato cymbalo". Dabei handelt es sich um 6 Variationen für Orgel oder Cembalo, die die Titel "Aria prima", "Aria secunda" usw. tragen. Die Nummer 6 heißt "Aria Sebaldina" (Sebaldus soll im 10./11. Jhdt. in der Nürnberger Gegend als Einsiedler gelebt haben. Die Sebalduskirche ist über seinem Grab errichtet. Er wurde 1425 von Papst Martin V. heiliggesprochen. Sebalduskirche! ).
 
 
Marienkirche zu Lübeck
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