Historischer Einführungstext Karte zu den 4 Schönborn-Linien
Chronologie des Grafengeschlechts

 
 

Pfarrkirche Gaibach

Hochaltar-Bild der Pfarrkirche von Gaibach / Bayern 
gemalt von Franz Lippold um 1748

 

Das rechte Foto stellt eine Huldigung der vornehmsten Mitglieder des Hauses Schönborn in Anbetung der Heiligen Dreifaltigkeit dar.

 

Weitere Seiten zu den Grafen


(Ausschnitt)


Auf dem Gemälde sind dargestellt (hintere Reihe von links nach rechts):Fürstbischof Johann Philipp Franz, Kurfürst-Erzbischof Lothar Franz, Kurfürst-Erzbischof Franz-Georg, Kardinal und Fürstbischof Damian Hugo, Dompropst Marquard Wilhelm, Oberhofmarschall Rudolf Franz Erwein, General Anselm Franz sowie (vordere Reihe von links nach rechts): Fürstbischof Friedrich Karl, Kurfürst-Erzbischof Johann Philipp, Obermarschall Philipp Erwein und Obermarschall Melchior Friedrich.

 
Die Grafen von Schönborn (aus der Dorfchronik)

Schönborn ist eigentlich ein Dorf  wie jedes andere in Deutschland, gäbe es da nicht das Grafengeschlecht derer von Schönborn, dem der Ort seinen Namen gab. Schon vor 1284 soll es eine kleine Ansiedlung "am schönen Born" im Niederlahngau gegeben haben.
Zwischen 1373 und 1479 standen zwanzig Edle von Schönborn im Dienst der Grafen von Katzenelnbogen. Sie waren bald aufgestiegen zu Edelknechten, Rittern, Amtsleuten und Hofmeistern. Nach dem Erlöschen des Katzenelnbogener Grafengeschlechts im Jahr 1479 brechen die Regesten der Grafen von Katzenelnbogen ab, sodass man auch über das Schicksal der Kleinadligen von Schönborn hier nichts mehr erfahren kann.

Einige Orte ihrer Tätigkeit im Dienst der Katzenelnbogener Grafen waren Ellar, Reichenberg, Hohenstein, Kemel, Burgschwalbach, Holzappel, Schaumburg, Burg Lahneck, St. Goar/Rheinfels und Boppard. In Montabaur, Westerburg, Königstein, Limburg, Weilburg und Freienfels waren sie im Dienst anderer Herren tätig. Ihre Besitztümer reichten bis nach Idstein und Rüdesheim.

Am Anfang des 15. Jahrhunderts waren die "von Schönborn" so zahlreich geworden, dass sich die Verwandtschaft seitdem in mehrere Linien verzweigte:1) Die Stroße von Schönborn mit Besitz in Hahnstätten und Hadamar

2) Die von Schönborn in Westerburg, die keine Grafen, sondern niederadlige Bedienstete der von Leiningen - Westerburg waren

3) Die von Schönborn in Hahnstätten, die das väterliche Stammgut in Schönborn hatten, aber später nach Hahnstätten* zogen
*In Hahnstätten steht übrigens noch heute das so genannte "Wasserschlösschen", das als ehemalige Burg, die seinerzeit den Namen "Schloss im Weiher" trug, einst von den Hahnstätter Schönborn bewohnt wurde. Diese verstanden es, durch Ankäufe ihren Besitz in und um Hahnstätten zu vermehren. So kauften sie z.B. den damals bedeutendsten und größten Hof des Dorfes, den "Stroßenhof". Dieser "Stroßenhof" soll nördlich der Hahnstätter Kirche zwischen der Kirchgasse und der Straße nach Kaltenholzhausen gelegen haben.
[nach H. Clauß im Hahnstätter Marktheft 1997]

4) Die Freienfelser Linie derer von Schönborn [ > Freienfelser Ritterspiele]

Die bedeutendste Rolle der vier Linien spielte später die Freienfelser Linie, aus der Bischöfe, Erzbischöfe, Kurfürsten und Grafen hervorgegangen sind, die im mainfränkischen Raum, am Rhein, aber auch an der Mosel und in Bruchsal sowie in Meersburg am Bodensee regierten  und Kirchen und Schlösser vor allem durch ihren Hofbaumeister Balthasar Neumann erstellen ließen, die weltbekannt geworden sind.
Für die Geschichte des Dorfes Schönborn ist die Linie der Hahnstätter "von Schönborn" wegweisend gewesen. Ihre Erben waren die Herren von Wonsheim und dann die von Boos und Waldeck. Vom 30-jährigen Krieg bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts beeinflussten die Grafen von Schönborn das religiöse, politische und kulturelle Leben von Trier bis Wien und von Erfurt bis Konstanz. Überall leuchtete der goldene Schönbornlöwe mit dem gespaltenen Schwanz, der auf drei Spitzen schreitet. Den Namen "von Schönborn" trugen Kurfürsten von Mainz und Trier, Fürstbischöfe von Würzburg, Bamberg, Worms, Speyer und Konstanz. Was denen von Schönborn allen gemeinsam war, war ihre Bauleidenschaft. Ihre Baudenkmäler sind noch heute in Rheinland - Pfalz und im fränkischen Teil Bayerns zu bewundern.-

Rudolf  Franz Erwein (1677 - 1754), ein Neffe von Lothar Franz, wählte zum Wohnsitz für seine Familie Schloss Wiesentheid, das bis zum heutigen Tag Stammsitz der Familie Schönborn-Wiesentheid ist. [Wiesentheid liegt östlich von Würzburg.]

 
 

Schloss Weissenstein in Pommersfelden, zwischen 1711 und 1718 von Lothar Franz von Schönborn erbaut



 
 

Schloss Wiesentheid


 

Etwa 20 km nördlich von Wiesentheid in der Nähe von Volkach / Main liegt in Gaibach ein Schloss der Grafen von Schönborn, das auf einer alten Wasserburg aufgebaut wurde.

Innenhof des Gaibacher Schlosses

Die Denkmäler der Erzbischöfe und Kurfürsten Johann Philipp sowie Lothar Franz von Schönborn nach einem Entwurf Balthasar Neumanns sind im Westchor des Mainzer Doms zu sehen.
Fürstin Gabriele zu Sayn-Wittgenstein, eine geborene Gräfin von Schönborn - Wiesentheid, ließ in Bendorf - Sayn einen Garten der Schmetterlinge anlegen und die Burg Sayn mit dem größten deutschen Turmuhren - Museum (seit Ende 2001 geschlossen) neu aufbauen.

Einige im Text vorkommende Ortsnamen sind  unten auf dem Kartenausschnitt zu finden.

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Karte, auf der die Orte des Verbreitungsgebiets der vier Linien der Grafen von Schönborn zu finden sind:

Quelle:  "Unser Land Rheinland-Pfalz in Karte, Bild und Wort", List/Schroedel - Schulbuchverlag
(mit freundlicher Genehmigung des Schroedel - Schulbuchverlags)

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In der folgenden Tabelle sind die wichtigsten Vertreter des Hauses Schönborn chronologisch dargestellt:


 Johann Philipp
(1605-1673)
1642 Bischof von Würzburg 
1647 Erzbischof von Mainz 

1663 Bischof von Worms, Fürstbischof 

Festungsanlagen in Würzburg (Marienberg) und in Mainz (Zitadelle). Er schaffte die Hexenprozesse ab und galt als Friedensfürst. 

Beigesetzt ist er in der Schönbornkapelle am Würzburger Dom. Sein Herz wurde am 8.3.1673 im Mainzer Dom beigesetzt.
Philipp Erwein
(1607-1668)
= jüngerer Bruder von Johann Philipp; war Mainzer Oberamtmann und ließ 1668 am heutigen Schillerplatz (Schillerstraße 11) in Mainz einen Adelshof, den "Schönborner Hof" bauen. Sein Grabmal befindet sich im Geisenheimer Dom.

Lothar Franz
(1655-1729)
1693 Bischof von Bamberg
1695 Erzbischof und Kurfürst von Mainz

Als Erzkanzler des Reiches und Kurfürst von Mainz hat er nach der Wahl Karl VI.  von Österreich diesen im Frankfurter Dom zum Kaiser gekrönt.

Er ist der Erbauer des Schlosses Weissenstein bei Pommersfelden, meistens "Schloss Pommersfelden" genannt. Es liegt etwa 20 km südl. von Bamberg.
Johann Philipp Franz
(1673-1724)
1719 Bischof von Würzburg
-begann mit dem Bau der Würzburger Residenz [1719-1746]
Friedrich Carl
(1674-1746)
1729 Bischof von Würzburg und Bamberg, Reichsvizekanzler
-vollendete den Bau der Würzburger Residenz, den sein älterer Bruder Johann Philipp Franz begonnen hatte
Damian Hugo
(1676-1743)
1715 Kardinal
1719 Bischof von Speyer

-ließ 1720 durch B.Neumann in Bruchsal ein Schloss (Dreiflügelanlage) mit Ehrenhof bauen

1723 Bischof von Konstanz

-Erbauer des neuen Schlosses von Meersburg am Bodensee

In der Peterskirche von Bruchsal befindet sich eine Tumba mit dem knieenden Kardinal Damian Hugo, umgeben von den allegor. Gestalten Glaube und Liebe.
Franz Georg
(1682-1756)
1729 Erzbischof und Kurfürst von Trier, Fürst-Abt von Prüm/Eifel
1730 Bischof von Worms

-ließ 1754 in Trier St. Paulin erbauen

Seine Residenz, die Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz, ließ er ausbauen (Diskasterialgebäude und Marstall gegenüber dem Bahnhof von KO-Ehrenbreitstein).

In Dirmstein/Pfalz (nordöstl.von Ludwigshafen) ließ er eine Kirche für beide Konfessionen erbauen.