Sie hören "Kein schöner Land in dieser Zeit"





Festspiel "Edeltrud von Katzenelnbogen" von Dr. C. Spielmann
Das Festspiel wurde im Jahr 1912 anlässlich der 600-Jahr-Feier zur Verleihung der Stadtrechte
ausschließlich von Laiendarstellern aus Katzenelnbogen aufgeführt.
Lehrer August Herold (Klingelbach) als Abt von Arnstein war der einzige Auswärtige.



Alte Katzenelnbogener Schule
Gebäude Anfang des 18. Jahrhunderts von einem Herrn von Steprod auf seinem Grundstück außerhalb des Schlossbereichs, also hinter der Schlossmauer, errichtet. Erst 100 Jahre später wurde es Gemeinde-Eigentum und 1833 zur Schule ausgebaut. Die alte Schule wurde 1968 abgerissen. Vorn rechts die Grundmauern der 1929/30 erbauten Volksschule, die ab 1962 als Realschule diente, nachdem weiter oberhalb in der Burgstraße eine neue Hauptschule gebaut worden war. Dieses Gebäude wiederum wurde nach Auflösung der Einricher Dorfschulen wegen der gestiegenen Schülerzahl der Grundschule im Einrich zugewiesen, während für Haupt- und Realschule (heute "Realschule plus" mit Fachoberschule) am 17. September 1976 im Gänsberg ein neuer Gebäudekomplex offiziell eingeweiht wurde. Als die alte Realschule nicht mehr schulisch genutzt wurde, befand sich hier für einige Jahre das Einricher Heimatmuseum. Schließlich wurde in diesem Gebäude das "Haus der Familie" untergebracht.


Römerberg und Schlossturm um 1920
© Buchhandlung Heinrich Hanusch, Katzenelnbogen


Katholische Kirche
im Jubiläumsjahr 1925

(Erbauungsjahr 1875)
Links im Bild stehend der damalige Pfarrer Hermann Schmidt



Das 1928 eingeweihte Gefallenendenkmal
oberhalb von Einrichstraße und Rheinstraße

 

Paula Jakupka, geb. Pfeifer
im Jahr 1933 vor der Schlosskulisse

Foto-Aufnahme vom Denkmal aus

 

Einschulung 1956 mit Lehrer Rothe
Foto-Aufnahme auf der Treppe vor der alten Schule,
die noch nicht abgerissen war
Hinten links (vom Betrachter aus) vor der Tür meine Wenigkeit



Ehemalige Volks-/Realschule neben dem Schlossturm,
heute "Haus der Familie"



Die frühere neue Volksschule und spätere Realschule
Hinter den 4 Fenstern im Dachgeschoss befand sich unser Klassenraum.



Die vielsagende Skulptur an der Hauswand
Zu sehen ist ein grübelnder Schüler.
Gegenüber auf einem Bücherstapel die Eule als Symbol der Weisheit.



Unsere Klasse im Dachgeschoss
Alle Schüler(innen) machen keinen glücklichen Eindruck.
Es war eine harte Zeit.
Vordere Reihe von links: Reinhold Michel, Manfred Dietrich, Gerhard Schmittel, Ingeborg Heuser, Karin Gemmer
Zweite Reihe: Klaus-Peter Kramb, Karl-Heinz Koßmann, Hans Gemmer, Iris Haß, Susanne Weber
Hintere Reihe:
Dieter Echternach, Wolfgang Jakupka, Hans-Jürgen Groß, Wolfgang Heuser, Kurt Weber



De Oale (Katzenelnbogener Dialekt)
Beim "Oale" handelt es sich um die abkürzende Verbindung zwischen Römerberg und Obertalstraße.


Klassenfahrt etwa Mitte der 60-er Jahre
Vordere Reihe: Dieter Echternach, Wolfgang Heuser
Zweite Reihe: Wolfgang Jakupka, Kurt Weber
Dritte Reihe: Gerhard Stach, Reinhold Michel, Reinhold Stricker, Gerhard Schmittel

Vierte Reihe rechts: Karl-Heinz Koßmann

TEMPI PASSATI
Die Realschule Katzenelnbogen in der Anfangszeit


Um sich ein Bild von den damaligen Schulverhältnissen machen zu können, ist ein ergänzender Textbeitrag unentbehrlich. Zunächst muss gesagt werden, dass die baulichen Verhältnisse im Gebäude auf dem Römerberg gegenüber heutigem Standard äußerst bescheiden waren. Eine Turnhalle gab es ebenso wenig wie eine Aula. Sportunterricht oder festliche Veranstaltungen fanden in "Biehls Saal" statt, der noch mit Holz und Kohle beheizt, besser gesagt temperiert wurde. Das Lehrpersonal der Realschule bestand 1960 aus gerade einmal zwei Lehrern. Die Ausstattung mit Lehrmaterial war dürftig. Für den Chemie-Unterricht hatte jede(r) Schüler(in) ein Mini-Labor in Form eines mit den notwendigsten Utensilien gefüllten Schuhkartons für Schülerversuche in Partnerarbeit und sogar einen weißen Kittel.
Taschenrechner waren noch unbekannt. Man arbeitete noch mit dem Rechenschieber. An Computer, Videokameras, Smartphones, Beamer und Whiteboards dachte noch keiner. Das Wort "video" war allenfalls den Lateinern als "ich sehe" geläufig. Die Schulbücher mit ihren etwas monotonen Schwarz-Weiß-Bildern (Buntdruck hatte sich gerade erst angebahnt) waren nicht gerade motivierend; in heutiger Sicht waren sie manchmal auch etwas naiv, aber sie hatten jedenfalls die heute oft fehlende Systematik. Das Englischbuch des 5. Schuljahrs begann beispielsweise mit der Vorstellung einer personifizierten Schweine-Familie: Mr., Mrs. and Miss Pig. Listening und Reading Comprehension, Fortsetzungsgeschichten und Erzählkerne im Deutsch- bzw. Englischunterricht waren Unbekannte; im Zentrum stand die heute wegen mangelnder Eigenkreativität verpönte Nacherzählung (Retold). Bei ihr wurde aber immerhin das Gedächtnis trainiert. Rechtschreibschwächen gab es nur in Einzelfällen, weil im Deutschunterricht wie auch im Fach Englisch genügend Diktate (Dictations) mit orthographisch nicht gerade einfachen Texten geschrieben wurden. Lehrpläne (Curricula) und Schulbücher wechselten nicht ständig; es ging kontinuierlicher zu.

Der Schulalltag war grau, was angeblich auch heute noch gelegentlich an Schulen vorkommen soll. Er begann morgens mit dem Aufstellen ("Antreten") auf dem Schulhof. Dabei achtete vor allem unser erster Klassenlehrer sehr darauf, dass alle genau ausgerichtet dastanden. Alles Gerede und jede Albernheit hatte nun ein Ende. Man sollte sich auf den beginnenden Unterricht konzentrieren. Eine kleine Gruppe von Schülern, zu denen auch ich gehörte, war nicht immer früh genug zum Aufstellen anwesend. Wir hörten die Schulklingel schon, als wir noch im sog. Oale (Fußweg zwischen Obertalstraße und Römerberg, siehe Foto) waren. Um einer Strafarbeit zu entgehen, hielten wir uns hinter dem Trafo-Häuschen versteckt, bis alle anderen ins Schulgebäude marschiert waren. Dann flitzten wir in geduckter Haltung an der Außenwand der Schule entlang zur Schultür, die bis zum Bau der Stadthalle weiter hinten war, und mischten uns -meist unbemerkt- unter das Gedränge der noch im Flur und Treppenhaus befindlichen Mitschüler. Das erste Abenteuer war gelungen.

Englisch, Biologie und Erdkunde

Nach Gebet und Verlesen der Tageslosung begann unser Klassenlehrer, bei dem wir auch Biologie und Erdkunde hatten, seinen ritualisierten Englischunterricht mit den Worten "Good morning, boys and girls!", worauf wir entgegnen mussten "Good morning, Sir". Nach dem "Sit down, please!" folgte die obligatorische Frage "Who is absent today?". Anschließemd hörte man die Aufforderung "Open your books on page..., please!" Der eigentliche Unterricht konnte beginnen. Eine für ihn wichtige Frage bezüglich des Schülerverhaltens war die manchmal peinliche Frage "What are you laughing at?", die nicht selten eine häusliche Zusatzaufgabe zur Folge hatte. Aber Sonderaufgaben gab es auch in anderen Zusammenhängen. Ich erinnere mich noch gut an eine solche mit der Überschrift "Mit dem Hute in der Hand kommt man durch das ganze Land". Grund dafür war die Tatsache, dass ich nicht gegrüßt hatte. Eine Klassenkameradin erzählte mir noch kürzlich, dass sie vom damaligen ersten Schulleiter am nächsten Tag in der Schule darauf angesprochen wurde, dass sie ihn am Vortag zwar freundlich gegrüßt hätte, aber mit Händen in der Manteltasche, was nicht korrekt sei.
Im Biologie- wie auch im Erdkundeunterricht sorgte unser Klassenlehrer immer dreifach für Anschaulichkeit, nämlich durch Wort, Gestik und FWU-Medien (Dias und Unterrichtsfilme). Alle im Unterricht vorkommenden Fremdwörter -insbesondere die aus der lateinischen oder griechischen Sprache stammenden- wurden intensiv auf ihre deutsche Bedeutung hin analysiert, z.B. das griechische Wort "Gymnosperme" (gymnós = nackt, spérma = Same) botanischer Begriff für die Nacktsamer.
An seinen bereitgestellten Anschauungsobjekten mussten wir vorbei"defilieren". Vom Metzger bereitgestellte Ochsenaugen wurden "seziert". Die von ihm sehr geschätzten Skizzen, Umriss-Stempel und die aus dem Erdkundebuch abzuzeichnenden Blockbilder (z.B. Landschaftsquerschnitte) wurden "koloriert". Namen von Mitschülern wurden latinisiert. Aus Karl-Heinz wurde beispielsweise Carolus Henricus. Im Biologie-Unterricht widmete er sich leidenschaftlich der Hydrokultur. Die Funktion des Herzmuskels versuchte er durch entsprechende Gestik und den Unterrichtsfilm "Das Klappenspiel des Ochsenherzens" darzustellen, was bei uns Schülern -für ihn unverständlich- nur Gekicher auslöste. Die störenden Schüler wurden dann zumindest durch den schrillen Zuruf "He, was fällt dir denn ein?" in ihrem Spaß gestört. Eine Inhaltsangabe zum Thema des Films bescherte mir die Vorführung des Streifens "Bei den Torfstechern im Teufelsmoor". Schuld an meiner Verhaltensauffälligkeit war aber nicht der Film als solcher, sondern nur das extrem schnelle Tempo (Zeitraffer), mit dem er vorgeführt wurde. Unser Klassenlehrer hatte seinem lateinischen Leitspruch "repetitio est mater studiorum" [Wiederholung ist die Mutter der Studien] treu bleibend wieder einmal so viel Zeit für die Wiederholung des Stoffes der vorhergegangenen Unterrichtsstunde benötigt, dass für die audiovisuelle Vertiefung nur noch wenige Minuten zur Verfügung standen. Den Zeitverlust verstand er aber geschickt zu kompensieren, indem eben der Film in rasantem Tempo vorgeführt wurde. Reichte die höchste Geschwindigkeit nicht aus, gab es ja noch die Pause, die -wie auch beim Diktat seitenlanger Merktexte- den erwünschten Ausgleich brachte. An die große Zeit der bequemen Hektographie mittels Matrize oder später der Fotokopie dachte man noch nicht. Einige Standardwörter, die den deutschsprachigen Unterricht bei ihm kennzeichneten, waren "papperlapapp" (wenn etwas falsch war) und "Ach, du liebe Zeit". Die spannendsten Stunden mit dem größten Nervenkitzel waren die Erdkunde- und Biologiestunden in den Wochen vor der Zeugnisausgabe; denn sie galten der Generalwiederholung, deren krönender Abschluss eine gesalzene Wiederholungsarbeit war, die den Stoff des ganzen Schuljahres umfasste und auf die wir uns zwei, drei Wochen lang tüchtig vorbereiteten. Der große Tag kam, die Arbeit wurde unterAufbietung aller geistigen Kräfte geschrieben, doch ihre Rückgabe ließ auf sich warten. Es folgten viele Tage der inneren Unruhe, bis dann irgendwann das mit Spannung erwartete Ergebnis bekanntgegeben wurde. "So einen Quark habe ich noch nicht gesehen", war der entrüstete Lehrerkommentar. Fielen Arbeiten gar zu schlecht aus, verzögerte sich die Rückgabe immer mehr, bis sie eines Tages ganz in Vergessenheit geraten waren. Aber die gewünschte Wirkung -nämlich das häusliche Wiederholen- war voll erreicht.

Chemie, Mathematik, Physik - HARD TIMES (in Anlehnung an Charles Dickens)

Nach Englisch, Erdkunde und Biologie nun einen Blick in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich. Um diesen Bereich anschaulich schildern zu können, ist nur die Vergegenwärtigung eines Wochentags, nämlich des Donnerstags notwendig, der vor allem für die auf diesem Gebiet nicht so Begabten ein Tag des Grauens war. An jenem Wochentag hatten wir -stundenplanmäßig wenig sinnvoll- zwei Stunden Physik, zwei Stunden Mathematik und eine Stunde Chemie hintereinander mit unserem Mathematiklehrer. Der Tag musste nicht per se grausam werden; aber überwiegend war er leider so. Schon beim Antreten auf dem Schulhof kurz vor Unterrichtsbeginn konnten wir seine Tageslaune ablesen. Man tuschelte sich noch zu "Bestimmt hatte er daheim wieder Ärger!", und schon ging's hinein ins Schulgebäude. Wir waren bereits im Chemie-/Pysikraum, als unser Mathematiklehrer -das obligatorische Taschentuch vor der Nase haltend (vermutlich wegen eines allergischen Schnupfens)- zackig die Tür öffnete und wieder schloss. Schon flog die auffallend dünne Mappe, die er bei sich trug, in hohem Bogen meterweit auf das Pult. Nach einem sehr knappen "Guten Morgen!" [hoffentlich wurde es einer] und "Setzen!" nahmen wir in Erwartung dessen, was kommen sollte, mit schlotternden Knien Platz. Fünfmal fünfundvierzig Minuten standen bevor - und die konnten lang werden! Zunächst wurde der aufgegebene Physikstoff abgefragt. Meist wurden zwei, drei Kandidaten gleichzeitig mündlich geprüft. Wusste der eine etwas nicht, war der zweite, ggf. der dritte an der Reihe. Kritisch wurde es, wenn alle drei nicht den Anforderungen genügten. Dann hieß es: "Setzen, fünf!" Andere wurden examiniert. Die ganze Klasse stand unter Hochspannung, bis ein(e) Schüler(in) in der Lage war, die erwartete Antwort zu geben. Dann war die Situation gerettet. Gelang dies aber nicht, stand uns nach einigen physikalischen Versuchen und dem Aufschreiben eines Merktextes noch ein impulsiver Mathematikunterricht bevor. Er begann natürlich wieder mit mündlichen Prüfungen. Konnte einer den Merksatz der Mathematikstunde vom Vortag nicht herunterschnurren, dann hatte er zur Einprägung das Vergnügen, ihn nachmittags etliche Male schreiben zu dürfen. Wurde es diesem Lehrer zu bunt, schrieben wir spontan eine Mathematikarbeit, die oft noch am gleichen Vormittag von ihm nachgesehen wurde. Es hieß nur: "Hefte raus und Mappen hoch (um das Abschreiben zu verhindern)!", und schon nach kurzer Zeit standen Aufgaben an der Tafel, die wir zu rechnen hatten. Beim Anfertigen geometrischer Zeichnungen wie auch bei anderen schriftlichen Aufgaben legte er gesteigerten Wert auf "vernünftige" Lineale. In der zweiten Mathematikstunde sah er die bereits die inzwischen abgelieferten Hefte nach, während wir mit einer anspruchsvollen Stillarbeit beschäftigt waren, die jedoch nicht immer still verlief, da sie hin und wieder durch verbale Randbemerkungen zu unseren abgegebenen Arbeiten unterbrochen wurde. Am Ende der zweiten Mathematikstunde erfuhren wir unsre "guten" Zensuren, und die Hausaufgabe war die Berichtigung, häufiger wahrscheinlich die Abschrift. In der fünften Stunde -der Chemiestunde- war dann das meiste Pulver verschossen. Der Blutdruck sank bei allen Beteiligten. Die sechste Stunde -bei mir Französisch- diente schließlich der völligen Entspannung.
Auch im Sportunterricht, den wir beim gleichen Lehrer hatten, wurden große Leistungen erwartet, sei es im Geräteturnen (damals noch in "Biehls Saal"), in Leichtathletik (auf dem Sportplatz am Marktplatz) oder im Schwimmen, das damals noch kein Breitensport wie heute war. Insofern standen auch viele von uns damaligen Schülern dem Wasser, das bekanntlich keine Balken hat, skeptisch gegenüber. Aber bei unserem Sportlehrer hatten in ziemlich kurzer Zeit die meisten das Schwimmen gelernt, wenn auch jegliche Motivation dazu fehlte. Ins Wasser zu springen wagten schließlich auch etliche und die, die sich noch nicht so recht trauten, wurden gesprungen, wenn Sie wissen, was damit gemeint ist*. So waren bald die meisten zumindest im Besitz eines Freischwimmerzeugnisses

*Vom Verb "springen" gibt es grammatikalisch gesehen keine Passiv-Form.

Deutsch, Geschichte und Sozialkunde

Nachdem wir nun von zwei Lehrkräften der Anfangszeit gehört haben, soll nun auch der dritte Lehrer, nämlich der für Deutsch, Geschichte und Sozialkunde nicht vergessen werden, der sich aber gelegentlich auch auf musikalischem Feld betätigte. Sein Standardausdruck nach der morgendlichen Begrüßung war "Platzen!" (statt "Setzt euch!"). Sein Steckenpferd im Deutschunterricht waren Aufsätze, insbesondere die Erörterung (Argumentation). Wie eminent wichtig er Aufsätze nahm, zeigte sich vor allem an den ellenlangen rot geschriebenen Kommentaren, die unter allen Aufsätzen standen, um die Note zu begründen. Im Geschichtsunterricht machte er immer große Ausführungen; mit Akribie erklärte er die Hintergründe und unterschied bei historischen Ereignissen sehr genau zwischen Anlässen, Ursachen und Gründen. Diese Differenzierung fiel uns bei Geschichtsarbeiten besonders schwer. Nicht alle waren von dem, was er vorn hingebungsvoll von sich gab, fasziniert. Manche interessierten andere Dinge. So entsinne ich mich beispielsweise daran, dass einmal an seiner Jacke zwei Knöpfe verschiedenfarbig angenäht waren. Das war für einige eine willkommene Ablenkung. Zwei Mädchen machten sich mit der flüsternden Bemerkung "Mal sehen, wie lange er es aushält!" aus, dass das erste lange auf den einen, das zweite auf den anderen Knopf starren sollte, um den Pädagogen in Verlegenheit zu bringen. Aber eisern wie er war, zeigte er keine Regung, und die beiden Schülerinnen hatten sich vergeblich auf eine Explosion gefreut. Die Jungen vertrieben sich bei ihm gelegentlich die Zeit mit dem Zählen des von ihm so oft gebrauchten "Nun!" (u als kurzer Vokal). Es wurden Strichlisten geführt, und einmal ist dieses Wörtchen in einer Unterrichtsstunde wohl an die fünfzigmal gefallen. Nicht immer blieben wir bei solchen Aktionen geistiger Abwesenheit unertappt. Wurde ein Desinteressierter erwischt, gab es ein Kopfnüsschen oder ein Stundenprotokoll zur Belohnung.

Der Schulleiter

Er war - seiner körperlichen Konstitution entsprechend- im Allgemeinen ein ruhiger Vertreter, der oft sinnierend aus dem Fenster schaute, aber dabei gleichzeitig unterrichtete. Als Leiter des Posaunenchores der Kirchengemeinde Klingelbach interessierte er sich natürlich stark für kirchliche Fragen, weshalb er beim Betreten eines Katzenelnbogner Lokals einmal von einem furchtlosen Mitschüler in ironischer Weise mit "Herr Pfarrer" angeredet wurde. Der Jugendliche war offenbar weitsichtig, denn der Schulleiter verließ einige Zeit später die Schule, um in Darmstadt Oberkirchenrat zu werden. In der Adventszeit fragte er in seiner Klasse, welche Advents- und Weihnachtslieder die Schüler kennen würden. Rolf murmelte seinem Nachbarn zu: "Mein Hut der hat drei Ecken". Da der Rektor diese Äußerung mitbekommen hatte, gab es ein gewaltiges Donnerwetter hinsichtlich dieses blasphemischen Scherzes und eine Strafarbeit.
Ein anderes Mal waren nur die Mädchen der ersten an dieser Realschule bestehenden Klasse in ihrem Klassenraum. Aus Übermut hielten sie mit Hilfe einer aus mehreren Mädchen gebildeten Kette den vermeintlich draußen befindlichen Jungen die Klassenzimmertür von innen zu. An der äußeren Türklinke wurde geruckt und gezerrt. Aber auf einmal ließ das Rucken nach. Nur noch einmal zog einer am Drücker und die Schülerin Irmtraud rief: "Ihr könnt noch lange ziehen, ihr Arschlöcher!" Da das Zerren an der Tür plötzlich aufgehört hatte und es draußen verdächtig still wurde, meinte Irmtraud: "Die werden doch nicht den Rektor holen!" Zaghaft öffnete sie die Tür einen Spaltbreit. Und wer stand vor ihr? Nicht die Jungen, sondern der Schulleiter. Es folgten mehrere Entschuldigungen ihrerseits und der Rektor riet ihr, sich in Zukunft vorher zu vergewissern, wer vor der Tür sei. Das Ganze war also noch glimpflich ausgegangen.

Klassenfahrten - Erlebnisse besonderer Art

Von den Klassenfahrten, die wir während der sechsjährigen Realschulzeit machten, soll hier nur das Interessanteste dargestellt werden. Drei Fahrten werden in ewiger Erinnerung bleiben: die Fahrt Mainz - Worms - Speyer, die erste Englandfahrt der Realschule Katzenelnbogen und die Berlinfahrt.

Irgendwelchen Trouble gab's bei solchen Exkursionen immer. Beginnen wir mit der erstgenannten Fahrt.

Wir befanden uns im Bus, waren kurz vor unserem ersten Reiseziel "Mainz", und es ging recht lebhaft zu, was dem begleitenden Lehrpersonal nicht so gut gefiel. Plötzlich wurde Rainer nach vorn gerufen. Wir nahmen an, man wolle ihm etwas Besonderes sagen oder ihn etwas fragen, aber es kam anders. Es ging "patsch-patsch", und er durfte sich wieder hinten hinsetzen. Irmtraud fragte ihn in echtem Einricher Dialekt: "Woas hosst de da ibberhaapt gemoacht?" Rainers lapidare Antwort: "Waas ich's?" Irmtraud: "Da deet ich's doch soo." Rainer daraufhin: "Glaabst de, ich wellt noch aa geknallt hoo?" Offensichtlich hatte man den Falschen erwischt. Aber wie dem auch sei, die Fahrt ging weiter. Wir sahen uns die Sehenswürdigkeiten von Mainz an und erreichten irgendwann Worms, wo wir in der Jugendherberge übernachteten. Hier wurde unser Deutschlehrer einer Belastungsprobe unterzogen. Einige Schüler hatten sich einen Spaß daraus gemacht, heimlich die Ärmel seines Schlafanzugs zu verknoten, und er hatte am späten Abend Mühe sie auseinanderzuknoten. Nach der Besichtigung des Wormser Doms und anderer kultureller Stätten führte uns die Reise nach Speyer, wo wir erneut einen Dom bewundern durften. Von den vielen Eindrücken ermüdet, teils aufgekratzt traten wir bald die Rückfahrt an, die vermutlich auch nicht ohne Ausschreitungen verlief.

Die erste Englandfahrt, die die Realschule Katzenelnbogen durchführte, war für uns in mancherlei Hinsicht erlebnisreich, nicht nur kulturell. Nach vier Tagen London-Aufenthalt kamen wir in Roade an, wo wir in der Secondary School untergebracht waren. Da wir deutschen Schüler bei den Engländern einen guten Eindruck hinterlassen sollten, achteten die uns begleitenden Lehrer auf fast militärisch strenge Disziplin und auf Höflichkeit. Irmtraud als Klassensprecherin musste sich immer wieder formvollendet bei den Engländern im Namen der Klasse bedanken, was sie "gerne" tat. Zum Ritual gehörte auch der morgendliche Frühsport mit anschließendem Duschen. Danach wurde gefrühstückt, um dann gut gestärkt in geschlossener Formation Besichtigungen durchzuführen. Einen freien Ausgang gab es nicht. Nach den "social evenings" -gelegentlich unter Einbezug der kleinen Katzenelnbogener Flötengruppe- war dann für alle Bettruhe angeordnet, und das Licht wurde ausgeschaltet. Damit nun die Schüler nicht noch im Dunkeln Unfug trieben, wurde der zuverlässige Deutschlehrer auf Patrouillengang geschickt. Als guter Detektiv spähte er überall herum, um zu kontrollieren, ob sich nicht doch noch irgendwo etwas regte oder bewegte. Einmal hatte er Glück und entdeckte im Jungen-Schlafsaal welche, die noch im Dunkeln mit Hilfe von Taschenlampen aktiv waren. Einige hatten für "Notfälle" Dosenbier unter den Betten versteckt gehalten. Diese "Asozialen" wurden mit der Strafarbeit "Disziplin in der Gemeinschaft" belohnt. An einem anderen Tag gab Klaus-Peter etwas von den Englischkenntnissen unseres Deutschlehrers zum Besten. Lauthals gab er von sich: "Beim Kaffee seet der immer "coffee black". Er hatte nicht bemerkt, dass besagter Lehrer inzwischen den Raum betreten hatte. Dieser war gerade guter Laune und meinte nur: "Gleich geht's bei dir "peng black"." Man könnte noch manches von dieser Reise erzählen, aber ich will mich mit dem Schildern einer Situation im Kölner Bahnhof bei einem Zwischenaufenthalt auf der Rückfahrt begnügen. Alle standen dicht gedrängt, hungrig und durstig da und wollten einen Imbiss zu sich nehmen. Rainer rief deutlich vernehmbar über die Theke rüber: "Eine Heiße, bitte!" Prompt hatte er sie, und zwar noch vor unserem Schulleiter, der über Rainers Impertinenz, nicht dem Rektor den Vortritt zu lassen, empört war und dies auch in Worten zum Ausdruck brachte.

Von der Abschlussfahrt nach Berlin ist uns noch ein Ereignis in lebendiger Erinnerung, nämlich der Verlust zweier Schüler im Frankfurter Hauptbahnhof.
Wir befanden uns schon alle auf der Rückfahrt von Frankfurt nach Wiesbaden, als unsere Lehrer plötzlich feststellten, dass zwei Schüler in Frankfurt geblieben sein mussten. Eine große Panik setzte ein. Dieter und Wolfgang H., die beiden Vermissten, waren in Frankfurt guten Glaubens gewesen, es handele sich um den Wiesbadener Bahnhof, weshalb sie sich dort nach draußen begeben hatten, um vor dem Bahnhof in den für uns bereitgestellten Bus einzusteigen. Als sie draußen waren, bemerkten sie, dass sie sich getäuscht hatten und eilten an den Bahnsteig zurück, aber der Zug war bereits abgefahren. Weltgewandt wie sie waren, nahmen sie den nächsten Zug nach Wiesbaden, der einige Zeit später fuhr. Zufälligerweise waren Dieters Eltern an diesem Tag im Wiesbadener Theater und konnten, nachdem sie verständigt waren, die beiden mit nach Katzenelnbogen nehmen. Dort angekommen machten sich die zwei gleich auf den Weg, um sich noch zu später Stunde bei unserem Deutschlehrer für ihr Zurückbleiben zu entschuldigen. Er soll nur erwidert haben: "Das wird noch ein böses Ende nehmen." Ganz unrecht hatte er nicht; das Ereignis kam einem mittleren Erdbeben im Einrich gleich. Es folgten lange Verhöre in der Schule, und das Thema wurde noch lange als Anknüpfungspunkt benutzt.
Eine kleinere eintägige Fahrt kommt mir gerade noch in den Sinn - die Exkursion zum Kloster Eberbach. Der Führer des Klosters hielt seinen Vortrag in einem wirklich monoton leiernden Tonfall, was bei uns eine heitere Stimmung hervorrief, die sich in Kichern äußerte. Diese Unbeherrschtheit gefiel unseren Pädagogen absolut nicht. Konsequenz war eine Strafarbeit über die Ernsthaftigkeit eines Klosterbesuchs.


Schlussbemerkungen

Wie sehr sich die Zeiten im Vergleich zu den 60-er Jahren allgemein und schulisch gesehen verändert haben, weiß jeder. Auf die seinerzeit ausgesprochen autoritäre Erziehung folgte die antiautoritäre Welle, die in der Zwischenzeit zumindest teilweise wieder rückgängig gemacht wurde. Die Wahrheit liegt bekanntlich in der Mitte. A.S. Neill (erster Schulleiter des engl. Internats Summerhill), auf den sich die antiautoritären Erzieher beriefen, hat selbst betont, dass Freiheit nicht mit Zügellosigkeit verwechselt werden dürfe. Ohne ein gewisses Maß an Disziplin ist Unterricht nicht möglich. Aber die Disziplinierungsmaßnahmen und der Unterrichtsstil dürfen nicht in eine kontraproduktive Furchtpädagogik umschlagen, bei der das Lernen nur mit ständigem Druck und Drill vonstatten geht, weil in diesem Fall jegliche Motivation etwas zu lernen auf der Strecke bleibt. Die 1959 gegründete Realschule Katzenelnbogen musste sich in der Anfangszeit gegenüber den umliegenden Realschulen profilieren, um dauerhaft bestehen zu können. Das ist ihr auch gelungen. Aber die Freude am naturwissenschaftlichen Unterricht (Mathematik, Physik, Chemie) und Sport ist durch die Art und Weise wie der Unterricht ablief, nämlich mit ständiger Angst etwas falsch zu machen und entsprechend bestraft bzw. benotet zu werden, bei den meisten Schülern dauerhaft verloren gegangen.

Einige Illustrationen zu alten Lehrmitteln und -büchern erscheinen in absehbarer Zeit.


Aufnahme des Schlosses um 1920
Rechts unten hinter dem Geländer
der noch offen fließende Fischbach
© Buchhandlung Heinrich Hanusch, Katzenelnbogen


Blick über den Dörsbach auf das Hotel Bremser,
im Hintergrund die Burganlage
© Foto-Heinz, Limburg


Hotel-Restaurant von Willy Bremser
Ecke Untertalstraße - Einrichstraße
So lautete die genaue Angabe in den Anfangsjahren:

Hotel Bremser
Weinhandlung und Brauerei
Telephon Nr. 1 - Sommerfrische
Katzenelnbogen in Nassau
Dieses repräsentative Gebäude wurde im Jahr 1978 leider abgerissen.
Heute steht hier das Haus der Nassauischen Sparkasse.
© Foto-Heinz, Limburg


Hotel-Restaurant von Willy Bremser
Links das Hotel Bremser, in der Mitte unterm Schloss die Metzgerei Huber und am rechten Bildrand die Gastwirtschaft Hofmann
© Cekade, heute Schöning-Verlag, Lübeck


Das "Jagdzimmer" des Hotels Bremser
© Cekade, heute Schöning-Verlag, Lübeck


Familie Bremser vor dem Eingang von der Terrasse her
Jedem alten Katzenelnbogener Bürger ist das Aquarium allgegenwärtig.

 

Festzug zum Bartholomäusmarkt 1968
Hoch zu Ross Kirmesbursche Wolfgang Jakupka



Festspiel zum Bartholomäusmarkt
im ehemaligen Steinbruch Schuhmacher & Heuser in der Rheinstraße,
heute Stützpunkt Katzenelnbogen der Straßenmeisterei Diez (LBM)



Festspiel zum Bartholomäusmarkt 1949
Uraufführung: Gräfin Anna von Katzenelnbogen



Festzug um 1960


Max und Moritz
Handwagen gezogen von W. Jakupka und K.-H. Koßmann


Thema Post, symbolisiert durch Posthörner
2. Reihe von links: Volker Hofmann, Wolfg. Jakupka, Klaus Echternach
vor Metzgerei Heß und Bäckerei Zorn


Postkutsche in der Einrichstraße


Von links: Hans Gemmer, Rolf Meyer, Wolfgang Jakupka, Irmtraud Groß, Gerhard Schmittel



Gastwirtschaft "Zur alten Post" von Wilhelm Meier
mit Shell-Tankstelle
auf der gegenüberliegenden Straßenseite
Das Haus steht heute noch an der Ecke Einrichstraße / Stiftstraße. Es ist allerdings zwischenzeitlich umgebaut worden. Die alte Post befand sich (wie auch die Zapfsäule) auf der gegenüberliegenden Straßenseite im ehemaligen Haus Echternach. Heute befindet sich dort die "Foto-Ecke" und im Hinterhof ein Fitness-Studio.
Die linke Tür neben dem Geländer führte in die Metzgerei von Wilhelm Meier, die rechte Tür in seine Wirtschaft. Innen bestand ein Durchgang zwischen Laden und Gaststätte. Nach W. Meier gingen folgende Metzger in dem Gebäude ihrem Beruf nach: Ewald Kordas, Heinrich Heß und aktuell Metzger Schmidt.
Fotograf Oskar Bernhardt, Katzenelnbogen


Das Sanatorium Dr. Otto Wolff (für Nervenkranke)
belieferte ich i.A. meines Großvaters per Fahrrad mit Fleisch und Wurst



Das ehemalige Amtsgericht in der Aarstraße
Nach der Auflösung des Gerichts war hier vorübergehend die Verbandsgemeindeverwaltung untergebracht. Bei dem rot angestrichenen Haus links im Hintergrund handelt es sich um die ehemalige Landwirtschaftsschule, die später in der Burgstraße neu gebaut wurde und heute als Sitz der Verbandsgemeindeverwaltung genutzt wird.



Das Elisabethstift
Links im Hintergrund ist die alte Schule zu sehen.
Wo das Elisabethstift stand, befand sich einst eine Eisenschmelzhütte, wo das im Eisensteinfeld (heute Wohngebiet) abgebaute Eisenerz geschmolzen wurde. Der letzte Besitzer der Eisenschmelzhütte, Matthäus Göring aus Bad Honnef, hat im Jahr 1885 das gesamte Gelände der Diakonenanstalt Duisburg mit der Auflage übereignet, dass dort ein Heim für unbemittelte Waisen oder verlassene Kinder errichtet würde. Das Haus erhielt nach dem Vornamen der Tochter des Gelände-Stifters Elisabeth Göring den Namen "Elisabethstift". Im Jahr 1927 wurde das Elisabethstift in ein Altersheim umfunktioniert, was es bis heute geblieben ist.
© Druckerei Hanusch, Katzenelnbogen


Das Elisabethstift im Jahr des Abrisses (Anfang 1997)



Die Gaststätte "Deutsches Haus" in der Obertalstraße (1910)
Besitzer: Carl Lenz

 

Blick in "Biehls" Hof
Bäckerei und Gastwirtschaft "Zum grünen Wald"
mit Saal für Sport- und Tanzveranstaltungen
sowie für Film- und Theateraufführungen
und schulischen Sportunterricht

Links: Küchenfenster, rechts daneben die Eingangstür, von der aus man links in die Küche und rechts in die "multifunktionale" Backstube gehen konnte, den die Feuerwehrkapelle an Samstagabenden zu ihren Proben nutzte.

Auf diesem Winterfoto sieht man, wie gerade Mehlsäcke von dem von Pferden gezogenen Wagen abgeladen werden.

 

Theateraufführung in Biehls Saal

 

Veranstaltung des Turn- und Sportvereins

 

Helmut Dietrich als Ansager

 

Die Feuerwehrkapelle

 

Blick in die Obertalstraße
Links das seit vielen Jahren abgetragene Haus Herold



Metzgerei Pfeifer in der Obertalstraße
nach einem Gemälde von Jos. Boos, 1931



KONSUM - das Lebensmittelgeschäft in der Lahnstraße 1
Rechts daneben: Bäckerei und Gastwirtschaft Hofmann
Ganz rechts: Bau- und Möbelschreinerei Karl Faust
Die gehisste Fahne bei der Bäckerei verrät,
dass das Foto in der Bartholomäusmarktzeit aufgenommen wurde.
Foto: Willi Ringelstein


Gendarmerie-Oberwachtmeister Horst Eckhardt,
der spätere Koblenzer Polizeipräsident
Die Aufnahme entstand im Jahr 1968 vor dem Gendarmeriegebäude in der Lahnstraße 24 (heute Wohnhaus) mit Blick in die obere Lahnstraße. In der damals noch existierenden Katzenelnbogener Polizeistation sammelte er zusammen mit zwei weiteren jungen Kollegen seine ersten Berufserfahrungen. Das Autokennzeichen MT für Montabaur (jetzt WW) verrät, dass er im unteren Westerwald wohnte.



Das alte Schwimmbad
(noch mit Holzsprungturm)
© Cekade, heute Schöning-Verlag, Lübeck


Blick auf das Nichtschwimmer-Becken

 

Bademeister Kurt Meinecke
beim Anstreichen des Sprungturms

 

Das alte Kino "Lichtburg"

 

Filmvorführung
Links Kurt Meinecke, rechts Helmut Dietrich


Nach den vielen alten Bildern noch zwei Bilder der Jetzt-Zeit

Blick auf Katzenelnbogen - Realaufnahme



Blick auf Katzenelnbogen in einem Gemälde
© Rebecca Fischer


Weihnachtszeit in Katzenelnbogen um 1960







Kleinbahn - Lokomotive
© Wolfgang Jakupka

Diese Schmalspur-Lokomotive stand für etliche Jahre als Denkmal in Nastätten. Sie ist inzwischen für einen stattlichen Preis von der Stadt an einen wohlhabenden, von Lokomotiven begeisterten Niederländer verkauft worden, der die von ihm erworbenen Loks wieder restauriert. Nach der Restaurierung soll diese Lok auf einer Schmalspurstrecke in Deutschland wieder zum Einsatz kommen und die Aufschrift "Nastätten" tragen.


Die Straße, die von Katzenelnbogen nach Dörsdorf führt, heißt im Stadtbereich "Bahnhofstraße" - doch wo ist der zugehörige Bahnhof?-
Wer heute in Katzenelnbogen zum Raiffeisen-Markt fährt und dort einkauft bzw. Benzin tankt, befindet sich auf historischem Boden, denn hier stand einst der Bahnhof der Nassauischen Kleinbahn. Das erklärt auch den Namen der zum Raiffeisenmarkt führenden Straße, nämlich Bahnhof-straße.
Die Nassauische Kleinbahn mit einer Spurweite von einem Meter wurde zwischen 1898 und 1903 erbaut. Die Hauptstrecke verlief von Zollhaus über Katzenelnbogen, Holzhausen und Nastätten bis nach St. Goarshausen, die Nebenstrecke von Nastätten über Braubach bis Oberlahnstein. Sie stellte nur für wenige Jahrzehnte die Verbindung zwischen Aar und Rhein dar. Dass die Bahn überhaupt gebaut wurde, verdankt sie den Bodenschätzen im Raum Katzenelnbogen (Eisenerz, Kalk und Basalt), die zum St. Goarshausener Rheinhafen transportiert wurden, um dort auf Schiffe umgeladen zu werden. Rund um den Haltepunkt Maiblumenley hat es zahlreiche Eisenerzgruben gegeben.
Die Trassenverlegung gestaltete sich wegen des oft unwegsamen Geländes schwierig, sodass die Strecke teilweise durch abgelegenes Gebiet fernab der Dörfer verlief. Der Streckenabschnitt von Braubach bis Oberlahnstein wurde schon 1917 wegen Unrentabilität stillgelegt, weil die Staatsbahn parallel dazu verlief. 1952 ist der Personenverkehr zwischen St. Goarshausen und Nastätten, 1953 zwischen Nastätten und Zollhaus eingestellt worden. Der Güterverkehr zwischen Nastätten und St. Goarshausen wurde 1956 aufgegeben, zwischen Nastätten ud Zollhaus 1957. Zwischen Hohlenfels, Mudershausen und Zollhaus wurden bis 1962 noch Steine von der Grube Hibernia und dem Basaltsteinwerk bei Mudershausen transportiert. Der Kleinbahnhof in Zollhaus stand auf der gegenüberliegenden Seite vom Staatsbahnhof Zollhaus, der die Verbindung zwischen Diez und Wiesbaden (Aartalbahn) gewährleistete. Beide Bahnhöfe sind erhalten geblieben. Während in Zollhaus, Holzhausen, Nastätten und St. Goarshausen die Kleinbahnhöfe heute noch stehen, musste der Katzenelnbogener Bahnhof dem Raiffeisenmarkt weichen.


Bahnhof Katzenelnbogen
© Peter Marsilius, Katzenelnbogen

Gleisfeld mit Wasserturm
© Ernst Günther Schilp, Mainz
Bahnhof mit Kleinbahn-Bussen
Busverkehr seit 1948
Fotos aus "Auf den Spuren der Nassauischen Kleinbahn" / Karlheinz Dauer und Winfried Ott



Busfahrer Kurt Wagner
vor einem Bus der Nassauischen Kleinbahn
(um 1990)


Hornsignal beim Anklicken des Bilds



Das neue Postamt
und die Kraftpostlinie Katzenelnbogen - Laurenburg
(beides seit 1929)



Rechts Paul Spies,
der lange Zeit den Postbus im Wechsel mit Karl Wolf fuhr


Hier sein Kollege Karl Wolf
neben einem neueren Postbus, am Laurenburger Bahnhof aufgenommen


Einige erwähnenswerte Daten und Fakten
der jüngeren Geschichte


1924
Bau der Landwirtschaftsschule in der Aarstraße
1927
Stift wird Altersheim
1928
Einweihung des Gefallenendenkmals oberhalb von Einrichstraße/Rheinstraße
1929
Einrichtung der Kraftpostlinie Katzenelnbogen - Laurenburg
1929
Bau des Postamts in der Bahnhofstraße
1930
Erbauung der neuen Volksschule
1930
Überbrückung des Fischbachs in der Einrichstraße
1931
Bau des Schwimmbads
1946
Einrichtung der Busverbindung durch die Nassauische Kleinbahn nach Wiesbaden und Diez
1948
Neue Brücke über den Dörsbach
1948
Das Schloss wird zum Kinderheim des Ev. Hilfswerks umgebaut (bis 1971)
1950
Bau des neuen Rathauses in der Untertalstraße
1957
Neue Landwirtschaftsschule in der Burgstraße, heute Verbandsgemeindesitz
1959
Katzenelnbogen erhält eine Realschule
1962
Wiederverleihung der Stadtrechte
1962
Neue Volksschule in der Burgstraße
1963
Bau der Trauerhalle
1965
Feuerwehrgerätehaus
1966/67 Neuer Kindergarten in der Weiherwiese, vorher Kindergarten im ev. Gemeindehaus in der Lahnstraße
1969 Hochbehälter auf dem Rödelsberg
1972 Bildung der Verbandsgemeinde Katzenelnbogen
1973 Umbau des alten Amtsgerichts in der Aarstraße zur Verbandsgemeindeverwaltung
1975/76 Schulzentrum mit Haupt- und Realschule
1986 Stadthalle
1990 Partnerschaft mit der französischen Stadt Serres
2019 Fusion der beiden Verbandsgemeinden Hahnstätten und Katzenelnbogen zur größeren Verwaltungseinheit Aar - Einrich

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